11 12 ^ u t 6 (SdliMX Prfi8emuster der Stempel (1-5,10-11,13 Messerscheiden; 6-7 Sd.werfecheiden- 8 achelform.g gebogenes Lederstück; 9 Futteraltäschchen; 12 Riemen). 1-5 Rautenförmige Lilienstempel; 6 quadratischer Stempel mit Lilie und antennenartigen Verlängerungen; 7 quadratischer Lilienstempel; 8 roset-tenformiger Stempel; 9 rautenförmiger Stempel; 10 mit Punktraster gefüllter Rautenstempel; 11 quadratischer Stempel mit schreitendem Löwen in Perlstabrahimmg; 12 quadratischer Stempel mit schreitendem Löwen-13 quadratischer Stempel mit diagonal geteilten Flächen, Rankenstäbchen und gleicharmigem Kreuz Ohne M Stempelverzierte Messerscheiden sind bislang vor allem aus dem nordwesteuropäischen Raum bekannt. Eine Messerscheide aus Haithabu, allerdings mit seitlicher Nahtlage, „ist mit einem einfachen gepunzten Muster verziert" (Ullemeyer 1970, S, 67; Abb. 13). Hierbei mag es sich um einen frühen Vorläufer einer Verzierungsart handeln, die auf Messerscheiden erst während des 13. -15. Jahrhunderts ihre Blütezeit hatte, wie die zahlreichen Londoner Funde belegen (Kat. London 1967, S. 187; Cowgill u. a. 1987, S. 43). Futterale mit Rauten- oder Lilienstempeln gibt es aus Svendborg (1270-1300; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 92; Abb. 7.2.4.6 u. 10), Lund (14./15. Jh.; Blomqvist 1938, S. 158 ff.; Abb. 34; 35), London (13. u. 14. Jh.: Cowgill u. a. 1987, z. B. S. 122; Abb. 0.392; 81.391; 14./15. Jh.: Kat. London 1967, S. 187f.; z.B. Taf. 42.1; Jones 1975, S. 161 ff.; Abb. 29.114; 30.119); Southampton (spätes 13. Jh.; Platt u. a. 1975, S. 296; Abb. 262.2157), King's Lynn (13. Jh.; Carter und Clarke 1977, S. 365 f.; Abb. 364.89,91) und Maastricht (ca. 1400; Panhuysen 1984, Abb. S. 119). Auf einem Stockholmer Futteral des 14. Jahrhunderts ist das Rautenmuster offensichtlich eingeritzt worden (Dahlbäck 1983, S. 232; Abb. 197). Verschiedene Messerscheiden: In dieser Gruppe werden Einzelstücke (n = 13) vorgestellt, die aufgrund ihrer formalen oder verzierungstechnischen Merkmale keiner der Formen 1-4 zugeordnet werden können (Abb. 15; 16). Aus Schichten des 11. Jahrhunderts stammen zwei Exemplare, die durch ihren bemerkenswerten bronzenen Abschiußbeschlag auffallen. In beiden Fällen umklammert ein punktverzierter dreieckiger Beschlag mit je zwei Nietärmchen die Faltkante im Abschluß (Abb. 15.1,2). Während die längere der beiden Messerscheiden in einem spitzen Abschluß endet (22,5x4,3 cm; Abb. 15.1), ist der Abschluß des anderen, sich nur wenig verjüngenden Exemplares rechteckig ausgeformt (20 x 4 cm; Abb. 15.2). Die Verbindungskanten beider Stücke sind vernietet. Die Messerscheide mit spitzem Abschluß war ursprünglich auf der einen Seite mit drei länglichen, gewölbten Bronzeplättchen besetzt, die auf der Rückseite je mit zwei kleinen quadratischen Gegennieten gehalten wurden. Dagegen wurde die Verbindungskante der Messerscheide mit geradem Abschluß mit einzelnen Ziernieten, die auf der Schauseite in Form einer Vierblattrosette gestaltet waren, und mit kleinen zweifach genieteten Rechteckplättchen mit ziselierter Punktreihe beschlagen. Annähernd identisch sind die erwähnten Abschlußbeschläge, die eine „slawische Machart" repräsentieren (Gabriel 1988, S. 161 ff.; Abb. 26. 8-10). Beide Stücke zeigen ziselierte Punktlinien, die eine bis „zur Unkenntlichkeit abgewandelte Innenzeichnung eines Tierbildes", und zwar eines Löwen mit zurückgebogenem Kopf, wiedergeben sollen (Gabriel 1988, S. 165 ff.). Im Gegensatz zu den beiden Schleswiger Stücken wurden die Abschlußbeschläge an den slawischen Messerscheiden in der Regel durch einen schräg eingeschnittenen Schlitz in das Leder eingelassen. Nach I. Gabriel (1988, S. 169; Abb. 26.11-13) waren sie zudem an Messerscheiden mit geradem Abschluß gebunden. Dagegen kann die Schleswiger Befestigungsart mit Nietärmchen auch an einer Breslauer Messerscheide mit spitzem Abschluß aus dem 13. Jahrhundert beobachtet werden (Kazmierczyk 1970, Abb. 69. f; Samsonowicz 1982, Abb. 26. c). Den Abschluß einer spitz endenden Messerscheide, die offensichtlich ein Messer mit spitzer 30 31 Abb. 15 Schleswig (Sdüld). 1 -2 Messerschdden slawischer Machart (1 Nr te Messerscharfen [3 Nr. 2296; i Nr. 11787; 5 Nr. 13008), M. 1:3 13479;2Nr.l3856);3-5gekrümm- Hinge aufnahm, mit einem solchen Beschlag zu schützen, erscheint sinnvoll Geht man MesseT T To** U™*M™ °* ^adern Abschluß ebenso geformte Messer bargen, das heißt mit mehr oder weniger stumof am|a„fcllw lv ge'°rmte 32 dem 12. Jahrhundert zugewiesen (Gabriel 1988, S. 161 ff.; Abb. 24; 25). Nahe Vergleichsfunde stammen aus Bosau, Lübeck, Oldenburg und Ratzeburg (Gabriel 1988, Abb. 26.4,9; Liste 5). Beide Schleswiger Messerscheiden weisen unterhalb der Mündung seitlich an der Verbindungskante eine durchgehende Öse auf, wobei die erhaltenen Lederbandreste in dem Exemplar mit spitzem Abschluß (Abb. 15.1) weitere Details liefern. Dort ist die Zunge eines Doppelbandes mit Hilfe des Beschlages unterhalb der Mündung in der Verbindungskante fixiert, wo auch die Öse eingeschnitten war, durch die horizontal ein weiteres Band führte, von dem heute nur noch die die Scheide umlaufenden Reste vorhanden sind. Die Enden des Doppelbandes weisen winzige Nahtstiche auf. Einige Messerscheiden fallen aufgrund ihrer Krümmung auf. Aus einer Schicht des 11. Jahrhunderts stammt ein mit 34,5 cm relativ langes und mit einer Breite von maximal 2,8 cm zugleich recht sclimales Futteral mit rückseitiger Naht (Abb. 15.3). Die leichte Krümmung in der Längsachse ist möglicherweise auf die Lagerungsverhältnisse im Boden zurückzuführen (vgl. Jones 1975, S. 163; Abb. 29.117). Im Vergleich dazu wirkt die Krümmung zweier in Schichten des 13. Jahrhunderts entdeckter Exemplare „gewollt". Es ist offensichtlich, daß man in ihnen entsprechend sichelartig geformte Klingen verwahrte. Während die seitliche Verbindungskante des einen 21 cm langen und 4,2 cm breiten Exemplares recht grobe und relativ ungeordnete Durchlochungen - wohl eines ursprünglichen Banddurchzuges - erkennen läfit (Abb. 15.4), wurde das andere in der Länge fragmentarisch erhaltene Stück mittig auf der Rückseite mit überwendlichen Kreuzstichen vernäht (Abb. 15.5). Auch die Anbringung der Ösen ist sehr unterschiedlich, wobei die Mündung der Messerscheide mit seitlicher Verbindungskante einen keilförmigen Ausschnitt aufweist, unter dem drei horizontal eingeschnittene Ösen angebracht sind, während die Scheide mit rückwärtiger Naht unterhalb der Mündung auf der Vorderseite zwei Ösenpaare und auf der Rückseite ein Ösenpaar aufweist. Dem 11. Jahrhundert ist ein Fragment mit abgeschrägter Mündung zugewiesen, dessen Verbindungskante doppelreihig mit sehr kleinen Eisenstiften beschlagen wurde (Abb. 16.2). Der gleiche Zeitansatz gilt für ein 22,5 cm langes und 4 cm breites Futteral mit parallel verlaufenden Langseiten (Abb. 16.1), dessen Verbindungskante mittels Riemchendurchzug geschlossen wurde, wobei ein dreieckiger Ausschnitt im Abschluß- oder Mündungsbereich (?) möglicherweise zur Fixierung dieser Riemchenführung angebracht worden war. Ein noch 15,5 cm langes und 4 cm breites Fragment aus einer Schicht des 14. Jahrhunderts zeigt eine Art „Verzierung" aus diversen pfeilförmigen Einschnitten unterschiedlicher Größe, die auf und beidseits der Faltkante liegen (Abb. 16.4). Die Verbindungskante wurde vielleicht mit einem Beschlag zusammengehalten. Ungewöhnlich ist die Formgebung einer 30,5 cm langen und 5 cm breiten Scheide aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts (Abb. 16.5). Von der Mündung an verjüngt sich das Exemplar gleichmäßig zu einem zipfeligen Abschluß, der von der rückseitigen Naht (offene Abschlußnaht) ausgespart blieb. Die Mündungspartie endet auf Vorder- und Rückseite in je einer gleichschenklig zulaufenden Spitze. Diese Ausführung kehrt in ähnlicher Form auf Schwertscheiden des 13./14. Jahrhunderts wieder (s. unten). Da 33 allerdings eingangs für Messer- und Schwertscheiden jeweils Längendefinitionen | festgelegt worden waren, wonach Schwertscheiden nicht unter 35 cm lang sind, scheidet 1 eine entsprechende Zuordnung hier aus. Unterhalb der Mündungsbasis befinden sich I Abb. 16 Schleswig (Schild). Verschiedene Messerscheiden (1 Nr. 7634; 2 Nr. 12038; 3 Nr 4295- 4 Nr 3080' S I Nr. 138SS; 6 Nr. 13860: 7 Nr. 5070; 8 Nr, 12627). M. 1:3 ' $ auf Vorder- und Rückseite je fünf Ösenschlitze, durch die - den Abdrücken zufolge -eine doppelte Riemenführung, allerdings versetzt, erfolgte. Die Vorderseite einer 18 cm langen und 3 cm breiten Messerscheide aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts ist mit eingepreßten Winkellinien verziert (Abb. 16.6). Horizontal verlaufende Relieflinien auf Vorder- und Rückseite untergliedern das Muster in zwei Felder. Die offene Abschlußnaht liegt rückseitig. Während am Mündungsrand Einstiche, vielleicht die einer Stürznaht, erhalten sind, endet der gerade Abschluß offen. An dem Stück sind außerdem sekundäre Einschnitte zu beobachten. Abnutzungsspuren sowie die Unterteilung in Heft- und Klingenteil sprechen eindeutig für seine Verwendung als Messerscheide. Ösen, die auf eine Aufhängung am Gürtel hinweisen würden, sind nicht erkennbar; anderes gilt für eine Londoner Messerscheide aus dem 14. Jahrhundert mit ähnlicher, allerdings durch Wappenmotive bereicherter Linienzier (Cowgill u. a. 1987, 5.141; Abb. 91.429). Eine aus Karthuizerwijk stammende, ebenfalls in Heft- und Klingenteil gegliederte Messerscheide ist mit einem geometrisch-floralen Motiv verziert und wird in das 14./15. Jahrhundert datiert (Goubitz 1988, S. 15; Abb. 106). Nicht mehr komplett erhalten sind zwei miteinander durch Beschlag verbundene, als Oberflächenfund überlieferte Messerscheiden (Abb. 16. 8). Die beiden unterschiedlich großen Messerscheiden (L. mind. 15 bzw. 11,5 cm; Br. 5,5 bzw. 5 cm) sind so aneinandergelegt, daß ihre Verbindungskanten miteinander abschließen und von einem Eisenbeschlag und Nieten zusammengehalten werden. Die Riemenführung erfolgte vertikal um beide Messerscheiden herum, und zwar bei der größeren durch fünf, bei der kleineren durch vier regelmäßig untereinander angeordnete Ösenpaare. Während bei dem Schleswiger Stück zwei unterschiedlich große Messerscheiden einfach von außen aneinander montiert wurden, weisen die Vergleichsbeispiele eine andere Konstruktion auf. Dort wurde stets eine zweite oder dritte kleine Messerhülle im Inneren der Hauptscheide eingelassen, eine Machart, die in London seit dem späten 13. Jahrhundert an Messer- und Schwertscheiden begegnet (Cowgill u. a. 1987, S. 55; z. B. Abb. 85.403; 107). In Braunschweig tritt sie an einer mit Lederschnitt verzierten Degenscheide des 15. Jahrhunderts entgegen (Rötting 1985, S. 78; Abb. 42.3). Messergarnituren benötigte man für bestimmte Tätigkeiten, beispielsweise zum Ausweiden eines bei der Jagd erlegten Wildtieres (vgl. Cowgill u. a. 1987, S. 55). Der Mann, der um 1360 in Schweden starb und dessen Leiche im Moor versenkt wurde, trug seine beiden unterschiedlich großen Messer in Einzelfutteralen getrennt am Gürtel (Sandklef 1937, S. 14; Abb. 28). Ein zweites, mit einer Länge von 6,7 cm und einer Breite von 3,7 cm sehr viel kleineres Doppelfutteral setzt sich aus zwei länglich-rechteckigen Lederstücken mit doppelt gerundetem Abschluß zusammen (Abb. 16.3). Beide Futterale sind gegeneinander abgesteppt. Sie dienten vermutlich zur Aufbewahrung eines handwerklichen Gerätbesteckes, das man - in einer Rolle zusammengelegt (?) - mit einem Riemchen verschnürte. Bei einem ebenfalls sehr kleinen, etwa 8 cm langen und 1,2 cm breiten Futteral endete die Mündung in drei Riemchen (Abb. 16. 7). Das Stück war seitlich überwendlich vernäht und weist ein horizontal eingeschnittenes Osenpaar etwa in Längenmitte auf. Lederarten: Für die Anfertigung der Schleswiger Messerscheiden wurden zu etwa gleichen Teilen Caprinae- und Bovinaeleder verwendet (Abb. 17). Gleichzeitig ist 34 35 Kalb Kalb/Rind Messerscheiden Schwerischeiden Riemer, Gürtel | Taschen, Beutel ■ Rind ä Caprinae unbestimmt 10 20 30 40 90 Abb. 17 Schleswig (Schild), Prozentuale Verteilung der Lederarten bei Messer- und Schwertscheiden, Gurten, Riemen, Gürteln, Beuteln und Taschen, festzustellen, daß die ältesten Messerscheiden (Form 1) aus Ziegenleder und die jüngsten (Form 4) fast ausschließlich aus Kalbs- oder Rindsleder bestehen (Abb. 18). Die überwiegend dem 13. und 14. Jahrhundert zugewiesenen Londoner Futterale sind aus Kalbsleder gearbeitet, das - einer Zunftvorschrift zufolge - auch nur für diese benutzt werden durfte (Cowgill u. a. 1987, S, 34). Zusammenfassung: Die Messerscheiden (n = 168) konnten in vier Formengruppen untergliedert werden. Futterale der Form 1 sind durch eine Abstufung an der seitlich liegenden Verbindungskante gekennzeichnet und kommen ausschließlich in Schichten des 11. Jahrhunderts vor. Einfache unverzierte Messerscheiden (Form 2) sind seit dem 11. Jahrhundert in Schleswig (Schild) nachgewiesen. Die seitlich liegende Verbindungskante wurde mit Garn vernäht, mit feinem Lederband verbunden oder seit dem 13. Jahrhundert auch durch einen Metallbeschlag und Niete zusammengehalten. Die Mehrzahl der Messerscheiden hing an einem Gürtel, wobei eine Riemenführung durch mehrere regelmäßig angeordnete Osengruppen vom 13. Jahrhundert an dominiert. Ein kleineres Futteral war mit einer dünnen Holzschicht gefüttert, Messerscheiden mit zipfeligem Randdekor (Form 3) treten erstmals um 1200 auf. Sie zeigen ebenfalls eine seitliche, mit Faden, Lederband oder Metallbeschlag und Nieten verschlossene Verbindungskante. Kennzeichnend sind dekorativ geschnittene Kantenverläufe, vor allem in Form trapezoider Zipfel. Messerscheiden mit Stempelprägung (Form 4) sind erstmals in Schichten des 13. Jahrhunderts zu belegen. Die Verbindungskante liegt rückseitig. Das in den Narben gepreßte Stempelmuster beschränkt sich fast ausschließlich auf kleine Lilienrhomben. Zu den verschiedenen Einzelstücken zählen zwei Exemplare aus Schichten des 11. Jahrhunderts mit je einem Bronzebeschlag „slawischer Machart". Bemerkenswert sind ferner zwei sichelartig geformte sowie zwei miteinander durch Beschlag verbundene Messerscheiden. Bezüglich der für die Messerscheidenherstellung verwendeten Lederarten ist vom 11.-14. Jahrhundert ein Wechsel von Caprinae- zu Bovinaeledern festzustellen. Form 1 Form 2 "3 Form 3 ■ Form 4 H verschied./unbest. H Gesamt H Abb. 18 10 20 30 40 50 Schleswig (Schild). Messerscheiden. Prozentuale Verteilung der Lederarten. 36 37 3.1.2 Schwertscheiden Schwertscheiden sind vom 11, Jahrhundert an im Fundmaterial von Schleswig (Schild) vertreten, die meisten Nachweise stammen aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts (Abb. 19; 20; 21. 2-6). Insgesamt ließen sich 155 Lederstücke dieser Funktionsgruppe zuordnen (Tab. 2). Fertigungstechnik; Die Grundform einer Schwertscheide entsteht durch zwei hölzerne Halbschalen, die entsprechend der Klingenform ausgehöhlt und dann entweder flach aufeinandergelegt oder mit einem flachen Falz aufeinandergepaßt werden (Geibig 1991, S. 104). Vor dem Zusammenfügen wurden sie innen mit Fell ausgekleidet und danach außen mit organischen Materialien, vor allem textilen Stoffen oder Leder, bezogen (vgl. van Driel-Murray 1980, S. 37; Geibig 1991, S, 104 ff.; Abb. 28). Auch die Kombination von Textilien und Leder als Ummantehmg läßt sich belegen, so beispielsweise an den aus Eschenholz gefertigten Schalen einer Danziger Scheide des 11. Jahrhunderts, die zunächst mit Leinen und dann mit Pferdeleder überzogen wurden (Na-dolski 1955, S. 186 ff.; Samsonowicz 1982, S. 81 ff.; Abb. 16; Geibig 1991, S. 106). Sehr eingehend hat sich C. van Driel-Murray (1980; 1990) mit einem größeren Fund-komplex von Schwertscheiden aus Leiden beschäftigt. Die Leidener Schwertscheiden werden der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem 14. Jahrhundert zugewiesen. Daß trotz allgemein hervorragender Erhaltungsbedingungen keine Holzreste der Schalen erhalten sind, daß ebenso metallene Ortbänder oder Mundbleche fehlen, ist nach ihrer Meinung ein Hinweis darauf, daß die Holzschalen und das metallene Zubehör durch den/die Scheidenmacher wiederverwendet wurden, während das abgenutzte Leder heruntergetrennt, zerschnitten und verworfen wurde (van Driel-Murray 1980, S. 39; 1990, S. 162). Dies ist sicherlich auch der Grund, weshalb der überwiegende Teil der ledernen Schwertscheiden aus Schleswig nur sehr fragmentarisch überliefert ist. C. van Driel-Murray untersucht die Leidener Schwertscheiden nicht nur nach typologischen Gesichtspunkten (z. B. Klingenbreite, Verzierungsarten), sondern ihr Interesse gilt vor allem auch den technischen Details unterschiedlicher Aufhängemethoden am Gürtel. Die durchschnittliche Breite der sich zum Abschluß hin leicht verjüngenden Schleswiger Schwertscheiden beträgt 5,3 cm (10,6 cm); im Mündungsbereich ist die größte Breite mit 7,5 cm (15 cm), die kleinste Breite mit 5 cm (10 cm) anzugeben8. Keine der vorliegenden Schwertscheiden blieb in vollständiger Länge bewahrt, meistens fehlen Teile der unteren Spitzenpartie (z. B. Abb. 19.2,3). Die längsten Stücke messen zwischen 70 und 80 cm (z. B. Abb. 19.1). Die Verbindungskante liegt auf der Rückseite der Scheide. Während die offene Abschlußnaht dafür spricht, daß die Lederummantelung direkt über den Holzschalen vernäht wurde, weist das Vorkommen der Stürznaht darauf hin, daß die lederne Hülle erst nach Fertigstellung, das heißt nach dem Nähen und Wenden, über die Holzschalen gezogen wurde. Die Mündungskante war entweder leicht gewölbt (Abb. 19,1; 20.1) oder endete in spitzen Zipfeln (z. B. Abb, 20.2). Letztere Formgebung wurde vom 13. Jahrhundert an üblich und erfüllte einerseits eine Schutzfunktion, andererseits erleichterte sie die „/Führung' beim seitlichen Einstecken der Klinge in die Scheide" (Seitz 1965, S. 144; vgl. auch 38 van Driel-Murray 1980, S. 37 f.). Einstiche an der Mündungskante lassen auf ursprünglich angebrachte Einfassungen schließen (z. B. Abb. 20. "1 -9). Ob man in diesem Zusammenhang auch Metallbleche verwendete, ist nicht mehr nachzuweisen. Hinsichtlich der Gestaltung des unteren Schwertscheidenabschlusses liegen im Schleswiger Material kaum Anhaltspunkte vor. Üblich war es, in diesem Bereich ein metallenes Ortband (van Driel-Murray 1980, S. 37; Abb. 1) oder nur eine feine, sich überlappende Wicklung aus Leder- oder Textilstreifen (Geibig 1991, S. 107 ff.; Abb. 29) zur Verstärkung anzubringen. Tatsächlich scheinen die Metaüreste auf einem kreisförmig gestalteten Abschluß auf einen Kügelort zurückzugehen (Abb. 20.10). Weiterhin lassen einige Exemplare erkennen, daß auf der Vorderseitenmitte im unteren Abschlußbereich Abnäher angebracht waren (z. B. Abb. 19.4). Die ledernen Umhüllungen der Schwertscheiden wurden häufig aus zwei Teilen zusammengesetzt, und zwar einem Mündungsstück und einem unteren Teilstück. Während Einstiche an der Basis mancher Mündungsstücke (z. B. Abb. 20.3) beziehungsweise an der Oberkante des unteren Teilstückes (z. B. Abb. 19.3) darauf hinweisen, daß beide Teile miteinander vernäht waren, läßt das Fehlen entsprechender Einstiche an anderen darauf schließen, daß keine Fixierung erfolgte (Abb. 19. 2; 20.2,4). Eine solche war vielleicht deshalb nicht erforderlich, weil die enge Ummantehmg der Fiolzschalen einen entsprechend festen Halt bot. Abgesehen von einem Exemplar aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts, stammen zusammengesetzte Schwertscheiden aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts. Trageweise / Aufhängung: Die technischen Details unterschiedlicher Aufhängemethoden hat - wie bereits oben erwähnt - C. van Driel-Murray sehr eingehend an dem Leidener Material studiert (van Driel-Murray 1980; 1990). Ausgehend von den variantenreichen Anordnungen der Ösen, durch die der Aufhängegurt geführt wurde, lassen sich mit Hilfe von Bildquellen bestimmte Aufhängetechniken rekonstruieren (vgl. auch Geibig 1991, S. 106 ff.; Abb. 29). Im Hinblick auf das Schleswiger Material kommt vor allem eine von C. van Driel-Murray erforschte Methode in Frage, die hier als Aufhängung vom Typ Naumburg bezeichnet wird (van Driel-Murray 1980, Abb. 13; 1990, Abb. 10. a). Dabei wird der Aufhängegurt durch mehrere Osenpaare unterhalb der Mündungsbasis, kennzeichnenderweise aber durch ein oder mehrere Osenpaare geführt, die schräg vertikal zur Längsachse der Scheide angebracht sind (z. B. Abb. 20.2). Die Bezeichnung „ Aufhängung vom Typ Naumburg" geht auf die bildhauerischen Ausführungen an den Stifterfiguren im Naumburger Dom aus der Zeit um 1260 -1270 zurück (Blomqvist 1938, Abb. 44; Seitz 1965, Abb. 84; Fingerlin 1971, Abb. 170). Den Abbildungen zufolge dürfte der Aufhängegurt der Form eines Doppelriemens entsprochen haben. Während die beiden Riemenenden durch die Ösen um die Scheide herumgeschlungen und verknotet oder mit einer Schnalle verbunden wurden, weist das zungenförmige Endstück des Gurtes zwei größere, längliche Durchzugslöcher für die weitere Aufhängung auf. Ein zweiter, unterhalb dieser Bindung die Scheide umlaufender Riemen trägt das eigentliche Gewicht des Schwertes samt Scheide (van Driel-Murray 1980, S. 41), Aufschlußreichere Hinweise zu der Trageweise vermitteln Darstellungen von Schwertgehängen in der Manessischen Liederhandschrift aus der Zeit um 1300, wo 39 Abb. 19 Schleswig (Schild), Schwertscheiden (1 Nr. 12057; 2 Nr. 7439; 3 Nr, 6504; 4 Nr. 9127). M. 1:4 40 41 46 401612 19 Abb. 21 Schleswig (Schild). 1 Riemen einer Gurtaufhänguug (Nr. 2677); 2-6 Schwertscheiden <2 Nr. 13111; 3 Nr. 12622; 4 Nr, 13153; 5 Nr 13367-6 Nr, 10280). M. 1:4 unter anderem auch der beschriebene Doppelriemen vom Typ Naumburg - und zwar in unterschiedlichem Kontext - wiedergegeben wird. Während in einer Szene der bewaffnete Ritter die Schwertscheide an dem um die Hüften geschlungenen, relativ breiten Doppelgurt trägt, wobei er beide Riemenenden mit Hilfe der zwei Ösen in der Gurtzunge vor dem Bauch festgelegt hat, dienen in einer anderen Szene die beiden Ösen des Doppelgurtes kurzerhand dazu, Schwert und Scheide an einem in die Wand getriebenen Nagel aufzuhängen (Brinker und Flühler-Kreis 1991, Abb. S. 156 [CM fol. 149v]; Abb. S. 157 Mitte [CM fol. 66v]). Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Schleswiger Riemenfragment aus einer Schicht des 13. /14. Jahrhunderts, das die charakteristische Zunge mit der zweifachen Durchlochung aufweist (Abb. 21.1). Entgegen dem oben beschriebenen Doppelriemen ist hier allerdings nur die Mittelpartie zweigeteilt. Das der Zunge gegenüberliegende ungeteilte Gurtende weist durch entsprechende Abnutzungsspuren und drei kleine Ösen auf eine ursprüngliche Schnallenbefestigung hin. Im Vergleich zu den abgebildeten Doppelriemen wirkt das schmale Schleswiger Stück nicht besonders stabil und dürfte daher als Schwertgehänge kaum geeignet gewesen sein; dennoch lassen die Merkmale auf einen in der Funktion identischen Ansatz mit einer Gurtaufhängung vom Typ Naumburg schließen9. Insgesamt erscheint die Ausführung qualitativ minderwertig, was sich jedoch mit starker Abnutzung oder sekundärer Verwendung erklären ließe. Verzierung: Eine der geläufigsten Verzierungsarten auf mittelalterlichen Schwertscheiden besteht aus einer einfachen Relieflinienzier, die sich in der Regel parallel der Längskanten entlangzieht (vgl. van Driel-Murray 1980, S. 38; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 64). Diese Verzierung begegnet auch am häufigsten auf den Schleswiger Stücken (z. B. Abb. 21.2,5). Sie kann vereinzelt durch strahlenförmige Kreuzmotive bereichert sein (Abb. 21.3,4). Ein ganz ähnliches Dekor zeigen einzelne Exemplare aus Svendborg (1279-1300; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 101; Abb. 7.3.5.10) und Lund (13./14. Jh.: Blomqvist 1938, Abb. 39-43; 13. Jh.: Bergman und Billberg 1976, Abb. 349). Der umfangreiche Fundkomplex aus Leiden enthält dagegen auch Schwertscheiden des 14. Jahrhunderts mit reicheren floral-geometrischen Motiven (van Driel-Murray 1980, S. 38; z. B. Abb. 11). Insgesamt sind 19,3 % der Schwertscheiden aus Schleswig (Schild) verziert. Dieses Ergebnis läßt sich sehr gut mit dem des Leidener Fundkomplexes vergleichen, wo 22 von 117 Schwertscheiden eine Verzierung tragen (18,8 %; van Driel-Murray 1980, S. 35). Das untere Teilstück einer Schwertscheide kennzeichnet ein Stempelmuster, das in gleichmäßigem Abstand auf der Mittelachse der Vorderseite eingepreßt ist (Abb. 14. 6; 19.3). Der Stempelabdruck gibt eine Lilie in einem quadratischen Feld wieder, dessen vier Ecken mit geometrischen Ornamenten ausgefüllt sind. Jedes Quadrat weist zwei antennenartige Verlängerungen auf, die in konzentrischen Kreisen enden. Aus der Sicht des Betrachters steht die Lilie auf dem Kopf. Der gleiche Lilienstempel kehrt auch auf einem Mündungsstück wieder, allerdings ohne die antennenartigen Verlängerungen (Abb. 20.1). Beide Stücke stammen aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts. Der konzentrische Kreis begegnet als Efnzelmotiv auf Schwertscheiden des 13. und 14. Jahrhunderts 43 aus Svendborg (Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 94 ff,; Abb. 7.2.5.11; 7.3.5.11-12) und Lund (Blomqvist 1938, S. 163; Abb. 38). Zwei Mündungsstücke aus Schichten des 13./14. Jahrhunderts tragen ein gepunztes Punktraster. In dem einen Fall beschränkt sich das Dekor auf das Vorderteil des spitzen Mündungszipfels (Abb. 20.2). In dem anderen Fall ist zusätzlich die gesamte Vorderseite mit vier gegenständig angeordneten gepunkteten Dreiecksflächen ausgefüllt, wobei sich die Flächenaufteilung auf die Riemenführung der Aufhängung zu beziehen scheint (Abb. 20.3). Nur einmal kann die Verzierungstechnik des Lederschnitts auf den Schleswiger Schwertscheiden nachgewiesen werden (Abb. 21.6). Der Versuch, ein Vierpaßmotiv so wiederzugeben, daß es in ununterbrochener Linienführung in sich verschlungen erscheint, gelang allerdings nicht völlig. Auch die Zentrierung des Motivs auf der Vorder-fläche ist mißglückt. Das Stück stammt aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts. Neben den erwähnten sind weitere Vergleichsbeispiele für Schwertscheiden, mit oder ohne Relieflinien beziehungsweise anderen Verzierungen, überliefert aus Ärhus (Lorenzen 1971, S. 182; Abb. BZT; DHU), Svendborg (12.-14. Jh.; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 96 ff.; Abb. 7.3.1-7.3.5), Lund (13. u. 14. Jh.; Blomqvist 1938, Abb. 39-43), 's-Hertogenbosch (erste Hälfte 14. Jh.; Goubitz 1983, S. 282; Abb. 9) und London (Kat. London 1967, S. 193; Abb. 62. 2). Lederarten: Für die Anfertigung von Schwertscheiden wurde bevorzugt Kalbsoder Rindsleder verarbeitet (88,3 %; Abb. 17). Zusammenfassung: Lederne Schwertscheiden (n = 155) sind seit dem 11. Jahrhundert im Ma terial von Schleswig (Schild) vertreten, wobei die Mehrzahl aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammt. Sie bildeten den rückseitig geschlossenen Überzug zweier zum Scheidenkörper zusammengefügter hölzerner Haibschalen. Der lederne Uberzug wurde vielfach aus einem sogenannten Mündungsstück und einem unteren Teilstück zusammengefügt. Die Mehrzahl der Schwertscheiden des 13. und 14. Jahrhunderts weist einen spitz zulaufenden Mündungszipfel auf Vorder- und Rückseite auf. In Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts kann die Aufhängung vom Typ Naumburg nachgewiesen werden. 19,3 % der Schwertscheiden sind verziert, wobei einfache Relieflinien als häufigstes Dekorelement vorkommen; daneben gibt es Stempelprägung und Lederschnitt. Schwertscheiden wurden fast ausschließlich aus Bovinaeledern gefertigt. 3.2 Gurte, Riemen, Gürtel Die im folgenden vorgestellte Objektgruppe umfaßt Lederstücke, die als Gurte, Riemen oder Gürtel zu bezeichnen sind, wobei die Begriffe synonym verwendet werden (Abb. 21. 1; 23 - 28)10. Die meisten der hier einzuordnenden 203 Lederstücke stammen aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts, während Funde des 11. und 12. Jahrhunderts seltener sind (Abb. 22). Metallschnallen waren viermal in situ erhalten (z. B. Abb. 23.4; 25.5; 27. 6; vgl. Saggau, in Vorbereitung), Eine zweifelsfreie Funktionsbestimmung der 44 einzelnen Lederstücke war nur äußerst selten möglich (vgl. Huth 1975, S. 60; Fingerlin 1971, S. 13). In der Regel muß offen bleiben, ob ein Gurt, Riemen, Gürtel der Bekleidung oder beispielsweise dem Zaumzeug zuzuweisen wäre11. Ebenso wie Teile des Schuhwerks (Schnack 1992, Kap. 4.4) wurden Riemen, aber in erster Linie wohl deren metallenes Zubehör wie Schnallen, Gürtelzungen und Beschläge, in den sekundären Verbrauch einbezogen. Entsprechende Hinweise vermitteln scharfkantige, das heißt nicht abgenutzte Schnittkanten, die an 21 von 203 Exemplaren zu beobachten waren. Ein hier nicht abgebildeter, in der Längsmitte durchschnittener und in drei Teilen geborgener Gurt bietet ein interessantes Beispiel für Fundsituation und Datenerfassung. Ohne dies bei der Materialaufnahme zu bemerken, wurden beide Längshälften getrennt erfaßt, eine Hälfte sogar nochmals doppelt, weil sie in Fleisch-und Narbenspalt zerfallen war. Die zerschnittenen Stücke stammen aus demselben Planquadrat, und zwar aus zwei untereinander liegenden Schichten des 13. Jahrhunderts. Es erscheint aber ziemlich sicher, daß alle Teile zusammen weggeworfen wurden. Hinsichtlich der Kleidergürtel geht I. Fingerlin (1971, S. 9) von einem „eigentlichen Fundanfall", der „erst im 13. Jahrhundert einsetzt" aus. Sie erklärt das plötzliche Einsetzen entsprechender Funde (Schnallengarnituren) mit einer Modeerscheinung; diese 17 13 15 16 13 14 11 12 1 j 1 __ um 1280 um 1200 um 1100 's'/V////, "//: Gurte, Riemen, Gürtel (203 Einheiten) Abb. 22 Schleswig (Schild). Gurte, Riemen, Gürtel. Absolute Verteilung auf die Planquadrate (Horizontale) und Grabungsschichten (Vertikale). 45 „ist charakterisiert durch locker fallende lange Gewänder, in der Mitte gegürtet" (Fin-gerlin 1971, S. 9). Demzufolge ist man geneigt, auch im Falle Schleswigs (Schild) Riemen und Gürtel am ehesten mit Bekleidung in. Verbindung zu bringen; da auch hier von einem „Fundanfall" zu Beginn des 13. Jahrhunderts gesprochen werden kann (vgl. Abb. 22). Kleidergürtel wurden von Mann und Frau getragen (Ausnahme: Dirnen; Loschek 1988, S. 218). Sie dienten zudem der Befestigung notwendiger Utensilien des täglichen Gebrauchs (z. B. Messer, Schlüssel, Geldbeutel). Hinweise auf damit zusammenhängende Zubehörteile wie Aufhängehaken oder Ösen liegen aus Schleswig (Schild) nicht vor (vgl. Fingerlin 1971, S. 13). Die geläufigste Aufhängetechnik dürfte die mittels einer Umkehrschlaufe gewesen sein (Abb. 6; vgl. auch Abb. 48). Fertigungstechnik/Typologie: Eine Gliederung der vorliegenden Objektgruppe ergibt sich aufgrund unterschiedlicher Fertigungstechniken. Form 1: ein einfacher Lederstreifen. Form 2: ein der Länge nach gefalteter Lederstreifen. Form 3: ein nietbesetzter, einfacher Lederstreifen. Form 4: ein gedoppelter Lederstreifen, dessen separate Lagen miteinander vernäht sind. Form 5: mehrere durch Schlaufen und Schlitze verflochtene Lederstreifen. Am häufigsten sind Teile der Form 4 (n = 127) überliefert. Darauf folgen Gurte der Formen 1 (n = 39), 2 (n = 12), 3 (n = 7) und 5 (n = 4); für 14 Lederstücke ergab sich keine entsprechende Zuordnung (Tab. 2). Generell weisen in der Mittelachse angeordnete Löcher auf die Dornrast eines Schnallenverschlusses hin, Anhäufungen von Löchern dagegen auf die Befestigung einer Metallgarnitur oder auf die Nagelung gegen eine Unterlage (s. unten). Form 1: Die einfache Gurtform (n = 39) ist seit dem 11. Jahrhundert in Schleswig (Schild) nachzuweisen (Abb. 23). Die durchschnittliche Breite der Riemen beträgt 2,3 cm, die kleinste Breite 1,2 cm (Abb. 23.2), die größte 5,0 cm (z. B. Abb. 23.1). An einem sekundär abgeschnittenen Riemen aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts ist eine einfache rechteckige Eisenschnalle in situ erhalten (Abb, 23.4)12. In dem Endstück eines anderen Riemens befindet sich ein durch mehrere Ösen gezogenes Bändchen, das auf eine Reparatur zurückgehen dürfte (Abb. 23.3). Ein Riemen weist in der Mittelachse zwei Schlitze auf (Abb. 23.5); die Einstichlöcher an den Enden eines anderen Stückes sind eventuell auf einen ursprünglich zusammengesetzten Riemen zurückzuführen (Abb. 23.6). Seit dem 13. Jahrhundert wurden auch Riemen hin und wieder mit in den Narben eingetieften Linien verziert. Diese sogenannten Relieflinien wurden mit einem erwärmten Metallgegenstand parallel zu den Langseiten des Riemens in das angefeuchtete Leder eingepreßt (z. B. Abb. 23.8; Gall 1965, S. 18; van Driel-Murray 1980, S. 38). Während diese Verzierungsart an mittelalterlichen Schwertscheiden geläufig ist (vgl. van Driel-Murray 1980; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 96 ff.), begegnet sie als Riemendekor eher selten, unter anderem an einem Stück aus York (Tweddle 1986, S. 265; Abb. 117.851). Eine völlig andere Technik offenbart die Linienzier dreier Fragmente, die aufgrund ihrer Abb. 23 Schleswig (Schild). Gurte, Riemen, Gürtel. Form 1 (1 Nr. 5613; 2 Nr. 821; 3 Nr. 5359; 4 Nr. 6492; 5 Nr. 4115; 6 Nr. 7969; 7 Nr. 2078; 8 Nr. 3752; 9 Nr. 8622; 10 Nr. 6876; 11 Nr. 9966; 12 Nr. 3359). M. 1:3 46 47 Form und Fundlage sicherlich ursprünglich zu demselben Riemen gehörten. Hier wurde der Narben durch FTerausritzen oder Herausschaben entfernt (Abb. 23.9-11). Ein weiterer Riemen zeichnet sich durch sein Stempeldekor aus (Abb. 14.12; 23.7). Das Motiv - ein schreitender Lowe mit erhobener Vordertatze, geöffnetem Maul und erhobenem Schweif, eingebettet in einen Viereckrahmen - reiht sich in der Längsachse aneinander. Dieses Gurtfragment stammt aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts. Das auf den Schleswiger Riemen gestempelte heraldische Löwenmotiv kennzeichnet in erster Linie Messer- und Dolchscheiden (vgl. z. B. Cowgill u. a. 1987, S. 43; Abb. 11). Generell sind aber Riemen mit Stempeldekor auch von anderen Fundorten überliefert. Auf einem zeitgleichen Londoner Gürtelfragment ist ein Rautenmuster eingepreßt (Fingerlin 1971, S. 394; Kat.-Nr. 269). Ein Riemenstück aus Exeter, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, weist ein in eine Rundel eingebettetes S-Motiv auf (Friendship-Taylor 1984, S. 327; Abb, 184.11), das wiederum in ganz ähnlicher Form auf einem Londoner Riemen des frühen 15. Jahrhunderts überliefert ist (Kat. London 1967, S. 195; Abb. 60.4). Ein Riemen mit Flechtbanddekor wurde als Streufund geborgen (Abb. 23.12). Die Zierbändchen durchlaufen - versetzt in unterschiedlichem Abstand - drei parallele Osenreihen. Zwei Bändchen blieben in situ erhalten, eines davon zeigt geringe Spuren eines goldenen Farbauftrags, Ein ebenfalls undatiertes, sehr ähnliches, lediglich durch Längsfaltung gedoppeltes Riemenstück stammt aus York; D. Tweddle (1986, S. 253; 265; Abb. 117.859) vertritt die Ansicht, daß die dort nicht mehr erhaltenen Zierbändchen farbig gestaltet waren. Farbige Absetzungen in Form von Stickereien oder aufgesetzten oder durchgezogenen Bändchen dürften nicht ungewöhnlich gewesen sein (Fingerlin 1971, S. 11; Tweddle 1986, S. 256; 265; Abb. 117, 853), Ein Riemenfragment mit zweifach geschlitztem kolbenförmigem oberem Abschluß und einer Zweiteilung in der Mittelpartie wurde bereits im Zusammenhang mit Schwertscheidenaufhängungen vorgestellt (s. oben; Abb. 21.1). Form 2: Um die Stabilität einfacher Riemen zu erhöhen, verdoppelte man den jeweiligen Lederstreifen durch Längsfaltung (Abb. 24.1-3,8). Diese Fertigungstechnik (n = 12) ist seit dem 11. Jahrhundert für Schleswig (Schild) zu belegen. Die Riemen sind durchschnittlich 2,45 cm (4,9 cm) breit, die größte Breite beträgt 5,2 cm (10,4 cm; Abb. 24.1), die kleinste 1,5 cm (3,0 cm). Die in der Regel mittig der Länge nach gefalteten Lederstreifen wurden entweder nur an der offenen Kante (z. B. Abb. 24.3) oder zusätzlich auch an der gegenüberliegenden Faltkante (z. B. Abb. 24. 8) mit einem Steppstich vernäht. Die Naht liegt mittig auf der Rückseite, wenn beide Längsseiten nach hinten umgefaltet wurden (Abb. 24,1,2). Eine andere interessante Falt- und Nähtechnik stellte W. Groenman-van Waateringe (1984, Taf. 28.1,2) für Haithabu fest. Wie bei einer Kapp- oder Abschhißnaht (vgl. Werner 1979, Tab. 5. 60) wird dabei die eingeschlagene Kante eines Streifens mit der gegenüberliegenden offenen Kante überdeckt und vernäht. Nicht immer läßt sich mit Sicherheit bestimmen, ob ein Exemplar - hier subjektiv als Riemen angesprochen - nicht ebensogut den Messer- oder Schwertscheiden zuzuweisen wäre (z. B. Abb. 24,3). Bei einem fraglichen Stück dürfte aber die Vielzahl durchgehender .\LJ Abb. 24 Schleswig (Schild). Gurte, Riemen, Gürtel. 1-3,8 Form 2 (1 Nr. 1443; 2 Nr. 13026; 3 Nr. 1543; 8 Nr. 6777); 4-7 Form 3 (4 Nr. 8264; 5 Nr. 11876; 6 Nr. 9328; 7 Nr. 11934), 1-7 M. 1:3; 8 M. 1:4 Niet(?)-Löcher wohl eher auf einen Gurt als auf eine Schwertscheide weisen (5,2 bzw. 10,4 cm; Abb. 24.1). Einige Gurte erhielten durch einen zwischen die Faltung gelegten Lederstreifen zusätzliche Festigkeit (z. B. Abb. 24.2,8). Die Verstärkungen stückelte man aus einer Vielzahl unterschiedlich langer Lederstreifen zusammen (z. B.Abb. 24. 8). Entsprechende Riemen sind auch aus dem irländischen Drogheda überliefert (Sweetman 1984, S. 197). Weitere Nachweise für Gurte der gefalteten Form gibt es aus Beverley (Atkinson und Foreman 1992), King's Lynn (Carter und Clarke 1977, S. 363; Abb. 168.88), York (Tweddle 1986, S. 265; Abb. 117. 856,857) und Threave Castle, Galloway (Thomas 1981, S. 126; Abb. 19.189). Form 3: Zu dieser Gruppe zählen sieben Riemen, die über ihre gesamte Länge in regelmäßigen Abständen nietbeschlagen sind (Abb. 24. 4-7). Nicht berücksichtigt werden dabei Riemen, deren Niete oder Nietlöcher ausschließlich auf die Befestigung einer Schnallengarnitur oder die Nagelung auf eine Unterlage zurückgehen (s. unten). 48 49 Nietbeschlagene Gurte kommen in Schleswig (Schild) erstmals in Schichten des 13. Jahrhunderts vor. Ihre Breite beträgt durchschnittlich 1,5 cm, mindestens 1,0 cm (Abb. 24.4) und höchstens 1,8 cm (Abb. 24.5,7). Daß die der Breite des Riemens entsprechenden Nietplättchen zweistif tig sein konnten, belegt ein Stück mit korrodierten Nietresten (Abb. 24.6). Niete hatten nicht nur einen stabilisierenden Effekt, sondern sie konnten auch als Schmuckelement fungieren, wie es an einem kleinen Riemen deutlich wird, der im Wechsel mit einem rechteckigen Nietplättchen und einem auf der Spitze stehenden quadratischen Plättchen mit geriefelten Kanten beschlagen ist (Abb. 24.4)13. Der aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts stammende Fund findet zeitgleiche Parallelen in Breslau (Kazmierczyk 1970, Abb. 71. f; Samsonowicz 1982, Abb. 25. f) und Southampton (Platt u. a. 1975,S. 296; Abb. 262.2156). In die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert ein nietbeschlagenes Gürtelfragment aus Lübeck (Fingerlin 1971, S. 406; Abb. 467), ein zweites Riemenstück ist dem 15./I6. Jahrhundert zugewiesen (Groenman-van Waateringe und Krauwer 1987, S. 83; Abb. 65.9). Sehr gute Vergleichsbeispiele gibt es aus dem mittelalterlichen London (Kat. London 1967, S. 195 ff.; bes. Abb. 63.6,9,10; Fingerlin 1971, S, 395; Kat.-Nr. 273) und aus Hull (Jackson 1985, Abb. S. 16 unten), Aus Karthuizerwijk können zwei Stücke des 14./15. Jahrhunderts angeführt werden (Goubitz 1988, S. 152; Abb. 108). Form 4: Diese Gruppe kennzeichnen gedoppelte Riemen aus getrennt zusammengefügten Lagen (Abb. 25; 26; 27. 1-4). Entsprechende Exemplare wurden vereinzelt in Schichten des 11. und 12. Jahrhunderts, am häufigsten jedoch in Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts gefunden. Im Vergleich zu den anderen Riemenformen dominiert diese Gruppe eindeutig (n = 127; Tab. 2). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß dies die Folge starker Fragmentierung, insbesondere aber des Zerfalls in die einzelnen Riemenlagen nach Auflösung des Nähmaterials sein kann. Aber selbst bei einer aufgrund der Doppelung denkbaren Halbierung (n = 63,5) der ermittelten Fundzahl bliebe das zahlenmäßige Übergewicht dieser Gruppe offensichtlich. Dagegen gelangt I. Fingerlin (1971, S. 33) bei der Auswertung von Grabfunden zu einem ganz anderen Ergebnis, demzufolge einfach geschnittene Riemen häufiger vorkommen als gedoppelte („genähte") Exemplare; dabei gilt es jedoch, den durch die Lagerung bedingten eher geringen Erhaltungsgrad organischer Materialien zu berücksichtigen. Die Schleswiger Gurte sind durchschnittlich 3,6 cm breit, die kleinste Breite hegt bei 1,2/1,3 cm (Abb. 25.5,7), die größte bei 8 cm (Abb. 25.6). Ursprünglich zusammengesteppte Lagen blieben zwar selten im Verband erhalten (Abb. 25.1-4), dennoch sind auch einzelne Teile zweifelsfrei als Auf- oder Unterlage eines Riemens zu deuten, wenn Fadeneindrücke auf einer der beiden Lederseiten fehlen (z. B. Abb. 25.5). Fraglich ist allerdings, ob es sich bei fehlenden Lagen stets um eine weitere Lederschicht gehandelt hat, denn Kombinationen mit textilen Fasern (Seide, Brokat, Samt usw.) sind nicht auszuschließen14. Die Lagen wurden einfach (z, B. Abb, 25. 5) oder zweifach (z. B. Abb. 25.8) zusammengesteppt, wobei die Auflage kleiner als die Unterlage sein konnte (Abb. 25.3). Entweder legte man die Fleischseite der Auflage auf den Narben der Unterlage (Abb. Abb. 25 Schleswig (Schild). Gurte, Riemen, Gürtel. Form 4 (1 Nr. 314(5; 2 Nr. 7889; 3 Nr. 5742; 4 Nr, 3445; 5 Nr. 13866; 6 Nr. 10814; 7 Nr. 11021; 8 Nr. 1483; 9 Nr. 6505). M. 1:3 50 51 Abb. 26 Schleswig (Schild). Gurte, Riemen, Gürtel. Form 4 (1 Nr. 188S; 2 Nr. 4036; 3 Nr. 10618; 4 Nr. 6455; 5 Nr, 12680; 6 Nr, 6444). M. 1:3 52 $ 25.3) oder beide Fleischseiten gegeneinander (Abb. 25.1). Grundsätzlich sind für die Schleswiger Gurte nicht mehr als zwei zusammengefügte Lagen nachgewiesen. Eine Ausnahme bildet ein repariertes Exemplar, bei dem mit Hilfe eines Flickens - der dritten Lage - die Stabilität des Gurtes, die infolge einer Schadstelle in der Auflage beeinträchtigt war, wiederhergestellt wurde (Abb. 26.1). Dabei mutet die grobe Fixierung des Flickens mit Lederband recht laienhaft an. a Nietlöcher sind auf die Befestigung einer Schnallengarnitur oder auf die Nagelung 1 gegen eine Unterlage zurückzuführen (z. B. Abb. 25. 4,9). Mit einem Riemen aus einer \ Schicht des 13. Jahrhunderts ist eine kleine Schnalle überliefert, die zu den „profilierten" Schnallen mit aufgeschobener Hülse zählt (Abb. 25.5; Fingerlin 1971, S. 70 ff.; Abb. 73 -#. 77), einem besonders langlebigen Typ, den I. Fingerlin (1971, S. 72; Anm. 299) eher als f Zaumzeug- und weniger als Gürtelzubehör verwendet wissen möchte. An dem Schles- wiger Stück war kein Beschlag erhalten, vielmehr läßt sich ein kleines Lederstück anstelle eines solchen anpassen. Der Riemen war aus zwei oder mehreren Stücken zusammengesetzt, das heißt, er war gestückelt. Gestückelte Riemen sind sicherlich keine Seltenheit gewesen, denn zur Länge quer verlaufende Nahtkanten kommen einige Male vor. H Mittelalterlichen Zunftordnungen zufolge war allerdings das Stückeln von Riemen [verboten (Fingerlin 1971, S. 32 f.). Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammen sechs Riementeile mit gesteppten Ziermotiven. Auf den schmaleren Gurten begegnen einfaches Liniendekor (Abb. 26.4) *| oder einander überkreuzende Wellenbänder (Abb. 26.2,3), während die Mittelfläche ■|" eines breiteren Gurtes (Abb. 26. 6) mit einer üppigen floralen Musterkomposition bestickt § war. Diese Stickereien setzten sich sicherlich von dem Untergrund farblich ab. Einfache Schmucklinien zieren auch mittelalterliche Riemen aus Pleskau (Ojateva 1962, S. 92 f.; Abb. 10.3), Breslau (Kazmierczyk 1970, Abb. 72. a,b) und Amsterdam (Baart u. a. 1977, S. 93; Abb. 23). Auf einem sehr schlecht erhaltenen Riemenfragment, einem Oberflächenfund, sind Reste einer eingravierten Pflanzenornamentik wahrzunehmen (Abb. 26.5). Diese Technik bezeichnet M. de Neergaard (Cowgill u. a. 1987, S. 40) als eine der geläufigsten Verzierungsarten des Mittelalters; sie dürfte im übrigen in der deutschen Bezeichnung : „Lederschnitt" mit erfaßt sein (vgl. Gall 1965, S. 28). Eine dem Schleswiger Stück ähneln- de Ornamentik zeigen einige Londoner Messerscheiden aus dem 13. Jahrhundert (Cowgill u. a. 1987, z. B. Abb. 78.383). Auf einem schmalen Riemenfragment sind noch Reste eines goldenen Farbauftrags erkennbar (Abb. 25. 7). Das Stück stammt aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts. Vereinzelt läßt sich Reliefliniendekor nachweisen (Abb. 27.2,3), wobei ein Riemen dem Nahtverlauf zufolge offensichtlich nur zum Teil gedoppelt war (Abb. 27. 2). Daß bei einem anderen Gurt (Abb. 27. 4) die beiden inneren Steppnahtreihen abbrechen, während sich die äußeren fortsetzen, ist vermutlich auf eine Schnallenbefestigung zurückzuführen, Die dicht gesetzten kreisrunden Ausstanzungen in der Mittelachse eines Riemens sind vermutlich als Zierelement zu verstehen (Abb. 27.1). Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammen fünf lappenartige Riemenstücke 53 mit seitlich angeschnittenen Fortsätzen. Zwei dieser Exemplare weisen an der breiten Basiskante Nietlöcher auf (Abb. 27.5,7). An einem dritten Teil wird die Funktion dieser Stücke durch die in situ erhaltene Rechteckschnalle (Dm. 2 cm) verständlich (Abb. 27.6). Es handelt sich hierbei um auf einer Unterlage - vielleicht einem Sattel - mit Nieten Abb. 27 Schleswig (Schild), 1 -4 Gurte, Riemen, Gürtel der Form 4 (1 Nr. 4391; 2 Nr. 1502; 3 Nr. 11875; 4 Nr. 1476); 5-8 Schnallenstücke (5 Nr. 3100,6 Nr, 4871; 7 Nr. 5311; 8 Nr. 4037). M. 1:3 fixierte Schnallenstücke, die als Pendant zu Ösenriemen fungierten, wobei ein T-förmiges Riemenstück als Riemenverteiler gedient haben könnte (Abb. 27. 8). Vergleichsbeispiele für Riemen mit Steppnähten sind unter anderem aus Futterkamp (Groenman-van Waateringe 1981, S. 208; Abb. 1.22,1/1), Zürich (Schneider u. a. 1982, S. 306; Taf. 81.3,4) und Breslau (Kazmierczyk 1970, Abb. 71. j; Romanow 1979, S. 183 f.; Abb. 5. c,d,g,j-l; 1981, Abb. 3. f,h-l; Samsonowicz 1982, Abb. 25. p belegt. Form 5: Dieser Gruppe sind vier geflochtene Exemplare aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts zuzuweisen. Die Riemenbreite liegt zwischen 2,5 und 4 cm (Abb. 28). Die Flechttechnik läßt sich an einem gut erhaltenen, in der Länge sekundär abgeschnittenen Riemen nachvollziehen (Abb. 28.2; 29): Grundlage sind zwei Riemen unterschiedlicher Breite und Länge. Ein kleinerer, in seiner Mittelachse in regelmäßigem Abstand aufgeschlitzter Riemen mit zungenförmig verbreitertem Kopfende und ein annähernd doppelt so breiter und langer Doppelriemen, ebenfalls mit zungenförmig verbreitertem, entsprechend größerem Kopfende. Die Breite der Doppelriemenenden entspricht der Länge der Schlitze in dem kleineren Riemen. Ausgehend von den beiden überemandergelegten Kopfenden, die - den korrespondierenden Ösen zufolge - miteinander verbunden waren, umschlingen die beiden Enden des Doppelriemens, jeweils gegenläufig durch die Schlitze geführt, die Längskanten des kleineren Riemens, wodurch ein Zopfmuster entsteht. Alle Exemplare bestehen aus stabilem Rindsleder. Konstruktionsweise und Lederart lassen darauf schließen, daß sie besonders hoher Beanspruchung ausgesetzt waren, etwa als Teil von Zuggeschirren. Des weiteren wäre eine Verwendung als Peitschenriemen denkbar, obgleich an dem gut erhaltenen, 66 cm langen Exemplar keinerlei Verjüngung nachzuweisen ist (Abb. 28.2), die bei einer Peitsche eigentlich vorhanden sein sollte. Das zungenförmige Kopfende des Schleswiger Riemens zeigt im übrigen ein rechteckig eingeschnittenes Loch, das möglicherweise auf eine hölzerne (?) Handhabe zurückgeht. In situ erhalten waren Holzreste in dem breiten Ende eines sich verjüngenden, allerdings sonst einfachen Peitschenriemens aus einer Lübecker Fundstelle des 15./16. Jahrhunderts (Groenman-van Waateringe und Krauwer 1987, S. 83; Abb. 65,1). Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß schriftliche Quellen, die den archäologischen Befund in detaillierterer Weise veranschaulichen oder Informationen zum Riemenhandwerk an sich vermitteln könnten, in Schleswig für diesen frühen Zeitraum nicht vorliegen. Die früheste Nachricht stammt aus dem Jahre 1642 (Schütz 1966, S. 141 ff.). Lederarten: Das hier behandelte Riemenmaterial wurde überwiegend aus Bo-vinaeleder (70,8 %), insbesondere den dicken, strapazierfähigen Rinderhäuten (55,0 %), und seltener aus Caprinaeleder (7,9 %) angefertigt (Abb. 17). Zusammenfassung: Die in Schleswig (Schild) gefundenen Gurte, Riemen, Gürtel (n = 203) stammen überwiegend aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts. Aufgrund der Fertigungstechniken sind fünf Formengruppen zu unterscheiden. Zu den einfachen, durchschnitvlich 2,3 cm breiten Riemen (Form 1), die seit dem 11. Jahrhundert im Fundmaterial sporadisch vorkommen, zählen auch einige Exemplare mit Reliefliniendekor, Stempeldekor sowie Flechtbanddekor. 54 55 Abb. 28 Schleswig (Schild), Gurte, Riemen, Gürtel, Form 5 (1 Nr. 2262; 2 Nr. 13108; 3 Nr. 7692). M, 1:3 56 2> Abb. 29 Schleswig (Schild). Rekonstruktion der Plechttechnik eines Riemens (Nr. 13108). Ohne M. Der Länge nach gefaltete Riemen (Form 2) erscheinen erstmals im 11. Jahrhundert, ihre durchschnittliche Breite beträgt 2,45 cm. Abgesehen von unterschiedlichen Falt-und Nahttechniken lassen einige Stücke durch zwischen die Faltung gelegte Lederstreifen eine zusätzliche Verstärkung erkennen. Nietbeschlagene, einfache, durchschnittlich 1,5 cm breite Riemen (Form 3) sind vereinzelt seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen. Ein Riemenfragment war mit Ziernieten beschlagen. Die meisten Riemen lassen sich der gedoppelten Form 4 zuweisen, die selten im 11. und 12., in größerer Zahl seit dem 13. Jahrhundert in Schleswig (Schild) vorkommt. Sie sind durchschnittlich 3,6 cm breit und bestehen aus mehreren separaten Lederlagen, die miteinander vernäht wurden. Wenige Male sind zusammengehörende Lagen im Verband erhalten, wobei nicht mehr als zwei Lagen festgestellt werden konnten. Die Dreilagigkeit eines Gurtstückes ist auf eine Reparatur zurückzuführen. Die Riemen wurden normalerweise ein- oder zweifach zusammengesteppt, in einigen Fällen treten zusätzlich Ziersteppereien auf, wobei ein Exemplar besonders reich mit floraler Ornamentik geschmückt ist. Darüber hinaus sind vereinzelt Lederschnitt, goldener Farbauftrag und Relieflinien zu verzeichnen. Anhand separater Schnallenstücke wird deutlich, daß das Fundmaterial neben einteiligen Riemen mit Schnalle und Dornlöchern auch einander entsprechende Teilriemen enthält. Geflochtene Gurte (Form 5) kommen vereinzelt vom 13. Jahrhundert an vor. Die Schritte ihrer Fertigungsweise konnten an einem relativ gut erhaltenen Stück nachgezeichnet werden. 57 Riemen wurden vor allem aus Rindsleder hergestellt und außerdem in den sekundären Verbrauch einbezogen, 3.3 Beutel und Taschen Diese Fundgruppe ist in Schleswig (Schild) erstmals in Schichten des 12. Jahrhunderts nachzuweisen (Abb. 30). Von den insgesamt 62 belegten Exemplaren waren 42 recht gut erhalten. Zuschnitt und Größe erlauben eine Gliederung dieser Fundgruppe in rechteckige und runde Beutel sowie in kleine Futteraltäschchen (Abb, 31-39); hinzu kommen einige Sonderformen sowie nicht eindeutig klassifizierbare Stücke (n = 20; Abb. 40-44). Der überwiegende Teil der Funde ist rechteckigen Beuteln (n = 27) zuzuordnen, runde Beutel (n = 8) sowie Futteraltäschchen (n = 7) sind seltener (Tab. 2). Fertigungstechnik/ Typologie: Kennzeichnendes Element aller Beutel ist ihr Verschluß mittels Riemenzug. Rechteckige Beutel: Die Grundform dieser Gruppe (n = 27; Abb. 31-37) bildet in der Regel ein rechteckig zugeschnittenes Lederstück, das zur Hälfte gefaltet und seitlich mit einer Naht (meistens überwendliche Naht oder offene Abschlußnaht) geschlossen 17 18 15 16 13 14 11 12 24 20 22 26 21 25 um 1280 um 1200 um 1100 Taschen, Beutel (62 Einheiten) Abb. 30 Schleswig (Schild). Beutel und Taschen. Absolute Verteilung auf die Planquadrate (Horizontale) und Grabung5Schichten (Vertikale), Abb. 31 Schleswig (Schild). Rechteckiger Beutel (Nr. 7104). M. 1:3 wurde; ein auch andernorts geläufiges Fertigungsprinzip (vgl. Dahlbäck 1983, S. 235 f.; Schönbäck u. a. 1981, S. 188). Allerdings konnten die Beutelhälften auch aus separat zugeschnittenen Teilen bestehen, wie durch einen Fund belegt ist (Abb. 31); diese Machart IUI''' Abb. 32 Schleswig (Schild). Rechteckige Beutel (1 Nr. 2553; 2 Nr. 1676). M. 1:3 58 59