Abb.33 Schleswig (Schild). Rechteckiger Beutel (Nr. 6559). M. 1:3 Abb. 34 Schleswig (Schild). Rechteckiger Beutel (Nr. 1462), M, 1:3 begegnet in Svendborg {Groenman-van Waateringe 1988 a, S, 103 f.; Abb. 8.1 Nr. 2-3), Novgorod (Izjumova 1959, Abb. 11. 10) und Pleskau (Ojateva 1962, Abb. 10.12). In einigen Fällen erfolgte die seitiche Verbindung offensichtlich entweder mit einem sehr dicken Faden oder einem Lederbändchen (Abb. 32.1,2; 33). Mehrfach wird die seitliche Verbindungsnaht auf beiden Seiten von einfachen Ziersteppereien begleitet (Abb. 35; 36). Sehr häufig konnten an der unteren Faltung, also am Boden des Beutels, kleine Ösen festgestellt werden, in denen hin und wieder kleine Bändchen stecken (Abb. 32.2; 33; 34; 36). Es ist anzunehmen, daß es sich hierbei um fransenartige Anhängsel handelte, wie sie auf mittelalterlichen Buchillustrationen dargestellt sind (z. B. Wagner 1978, Abb. 31; Unterkirchler 1979, Abb. S, 142) oder wie sie auch an kostbaren, mit Seidenstickerei verzierten Leinenbeutem aus dem frühen 14. Jahrhundert überliefert sind (Brinker und Flühler-Kreis 1991, Kat.-Nr. 141-143). Die meisten rechteckigen Beutel sind breiter als hoch; das durchschnittliche Maß ist mit 18,6 cm in der Breite und 13,5 cm in der Höhe anzugeben. Abweichend davon mißt ein schmalerer Beutel durchschnittlich 14,5 cm in der Breite und 17,8 cm in der Höhe. Die mittlere Flächengröße einer Beutelseite beträgt 255 cm2, für das größte Exemplar gelten 500 cm2, für das kleinste 92 cm2. Die Größe der Stücke oder das Verhältnis von 60 Abb. 35 Schleswig (Schild), Rechteckiger Beutel (Nr. 1488). M. 1:3 Abb. 36 Schleswig (Schild). Rechteckiger Beutel (Nr. 1451). M. 1:3 61 Breite zu Höhe sind nicht als chronologischer Indikator zu werten. Aus dem beschriebenen Schema fällt ein Beutel wegen seiner extremen Ausmaße heraus: Er ist breiter (25 cm) als das Durchsclmittsmafi, aber dabei extrem kurz (9 cm; Abb. 36). Darüber hinaus bemerkenswert ist die Tatsache, daß ein aus dem Beutel sekundär herausgeschnittenes Stück noch zusammen mit diesem geborgen wurde, Schließlich liefert dieser Beutel ein schönes Beispiel für die fransenartigen Anhängsel. Bei etlichen Beuteln war die Öffnungskante ehemals eingefaßt. Diesbezügliche Anhaltspunkte vermitteln fehlende Abnutzungsspuren des Narbens in diesem Bereich sowie Einstiche und Fadeneindrücke einer - meistens überwendlichen - Naht (Abb. 35). Allerdings gibt es auch eine Reihe von Beuteln ohne Hinweise auf eine ursprüngliche Einfassung (z. B. Abb. 31; 32.2). Abb. 37 Schleswig (Schild). Rechteckiger Beutel (Nr. 1492). M. 1:3 Die Länge der Riemenösen beträgt durchschnittlich 1,5-2 cm. In zehn Fällen steckten noch Bänder oder entsprechende Reste in den Ösen, wobei fünfmal ein Doppelband überliefert ist (z. B. Abb. 33). Gröbere, meistens tropfenförmige Einstiche weisen darauf hin, daß die breite Zunge des Doppelbandes am Beutel angeheftet war (Abb. 33; 36). Das Doppelband dürfte als praktischer Beutelriemen häufig Verwendung gefunden haben, obwohl derartig kräftige Einstichlöcher auch an Beuteln ohne Bänder oder mit nur fragmentarisch erhaltenen Bändern festzustellen sind (Abb. 34; 35; 37). Rechteckige Beutel sind bereits aus dem wikingerzeitlichen Haithabu überliefert (Groenman-van Waateringe 1984, S. 37 f.; Taf. 23.1), so daß ihr Fehlen in Schichten des 11. Jahrhunderts in Schleswig (Schild) nur als Folge mangelnder Fundüberlieferung zu sehen ist. Weitere Vergleichsfunde stammen aus dem mittelalterlichen Lübeck (Groenman-van Waateringe und Guiran 1978, S. 169; Abb. 71.1 - 2 unten; Taf. 83.2; Vons-Comis 1982, S. 244; Abb. 86. 96q; Tab. S. 248), Svendborg (Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 104 f.; Abb. 8.2.4-5), Hohensalza (Przybyszowska 1979, Abb. 51.3), Pleskau (Ojateva 1962, Abb. 10.11) und Breslau (Kazmierczyk 1970, Abb. 70. j; Samsonowicz 1982, Abb. 26. j). Runde Beutel: Ausgangsform dieser Beutelart (n = 8) ist ein mehr oder weniger kreisförmig zugeschnittenes Lederstück mit einem mittleren Durchmesser von 15 cm (Abb. 38). Hinsichtlich der Machart zeigen die Funde nur geringfügige Unterschiede. In der Regel bestehen die Ösen aus länglichen, bis zu 2 cm langen Schlitzen, nur einmal kommen sehr kleine, runde Ösen (0,1-0,2 cm) vor (Abb. 38.1). Bei letztgenanntem Exemplar handelt es sich um einen Beutel aus sehr steifem Rindsleder, bei dem der in mehreren Schritten ausgeführte Rundungsschnitt deutlich sichtbar wird. Zwei weitere Exemplare fallen aufgrund ihres gedeihen Kantenverlaufs auf (Abb. 38. 3,5). Die Eindellungen sind in mehr oder weniger regelmäßigem Abstand angebracht worden und dienten offensichtlich zur Reduzierung der durch den Riemenzug hervorgerufenen Faltenbildung, Derartigen Beuteln kann zweifellos ein Fragment aus Haithabu zur Seite gestellt werden (Groenman-van Waateringe 1984, S. 38; Taf. 6. 4). Die Naht (Stoßnaht) an einem der Beutel belegt, daß dieser gestückelt war, zumal an dieser Stelle die umlaufende Ösenreihe unterbrochen ist (Abb. 38.2). Diese Stückelung könnte darauf hindeuten, daß in diesem Fall ein Lederstück erst sekundär als Beutel genutzt wurde. An einem anderen Beutel wurde ein Einriß mit überwendlichen Stichen repariert (Abb. 38. 4). Neben dem erwähnten ist aus Haithabu ein vollständig erhaltener kleiner Beutel überliefert (Groenman-van Waateringe 1984, S. 37 f.; Taf. 24.2). Weitere Vergleichsfunde kommen aus Oslo (12./13. Jh.; Schia 1979, S. 57; Abb. 13. B; 15) und Novgorod (12./15. Jh.; Izjumova 1959, S. 218; Abb. 11.12). Die frühesten Belege für runde Beutel datieren in Schleswig (Schild) in das 13. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang ist aber nochmals auf die geringere Fundüberlieferung aus Schichten des 11. und 12. Jahrhunderts hinzuweisen. 62 63 4 5 Abb. 38 Schleswig (Schild). Runde Beutel (1 Nr. 5775; 2 Nr, 4889; 3 Nr. 6405; 4 Nr. 13863; 5 Nr. 3504). M. 1:3 Futteraltäschchen: Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammen sieben kleine Futteraltäschchen (Abb. 39), von denen fünf mit einem Überschlag verschlossen wurden. Die durchschnittliche Größe der Futteraltäschchen beträgt 6,8 x 8,4 cm. Die Seitenkanten waren mit einer überwendlichen Naht (z. B. Abb. 39.5), einer Stürznaht (Abb. 39.2) oder einer offenen Abschlußnaht (Abb. 39.1) verschlossen, wobei sich letztere schmückend auf dem Uberschlag fortsetzt und von dort doppelreihig auf der Mittelachse zur Rückseite des Futterals verläuft. Auf der Innenseite des Uberschlags dieses Stückes steht eine feine Durchbohrung durch die halbe Lederschicht in Verbindung mit einem feinen nadeiförmigen Abdruck. Daher liegt es nahe, dieses Täschchen als Behältnis für Nähutensilien zu deuten. Aufgrund eines erhaltenen Riemenabdruckes kann man rück-schließen, daß ein durch drei Ösen gezogener Riemen um das Futteral herumführte. Eine ähnliche Bindung und damit gute Verschnürung beziehungsweise Sicherung der verwahrten Gegenstände (z. B. Münzen oder Edelsteine) darf man für zwei Täschchen vermuten, die zudem mit einer Vielzahl von Ösen in der Mittelachse ausgestattet sind 64 Abb. 39 Schleswig (Schild). Futteraltäschchen (1 Nr. 13872; 2 Nr. 3899; 3 Nr. 10162; 4 Nr. 7275; 5 Nr. 1523; 6 Nr. 5952; 7 Nr. 11679). M. 1:3 65 (Abb. 39.4,5). Eines dieser Exemplare ziert ein Rautenstempel (Abb. 14.9; 39.5). Bei einem weiteren Stück (Abb. 39, 2) dienten zwei längliche Ösenschlitze sicherlich dem Verschluß, während zwei kleinere Ösenpaare im Knick des Uberschlags vielleicht mit der Aufhängimg in Zusammenhang zu bringen sind. Gleiches dürfte für ein offenes Täschchen (Abb. 39. 7) gelten, in dessen Nahtstichen Metallreste erhalten sind, die den Schluß zulassen, daß die Seiten mit feinem Draht verbunden wurden, Offensichtlich waren nicht alle Täschchen mit Ösen versehen. Neben einem sehr schlichten (Abb. 39.3) zählt hierzu auch ein Exemplar mit nach innen gekehrter Narbenseite, wobei ein kleiner, teilweise unterbrochener Ansatz mit Stoßnaht an der Öffnungs-kante erkennbar, aber nicht zu erklären ist (Abb. 39.6). Eine Deutung als ursprünglich eingenähte Innentasche dürfte für dieses Stück am ehesten zutreffen. Als „kuvertförmig" wird eine Tasche aus dem wikingerzeitlichen Elisenhof bezeichnet (Grenander-Nyberg 1985, S. 234; Taf. 76), die - ebenso wie ein Exemplar aus Pleskau (Ojateva 1962, Abb. 10. 8) - mit einem angehefteten Riemen geschlossen wurde. Zwei mit Riemendurchzug versehene Täschchen aus Hohensalza datieren in das 13./14. Jahrhundert (Romanow 1979, S. 193; Abb. 4. t,u). Ein Breslauer Stück mit Überschlag stammt aus dem 12. Jahrhundert (Kazmierczyk 1970, S. 251; Abb. 70. k; Samsonowicz 1982, Abb. 26. k). Futteraltäschchen des 10. und 14. Jahrhunderts sind vor allem aus Novgorod überliefert, von denen sich je ein schlichtes und ein besticktes Exemplar mit einigen Schleswiger Stücken vergleichen läßt (Abb, 39.1-3; Izjumova 1959, S. 218; Abb. 11.7,9). Als kleine Tasche oder Scheide mit Gürtelbindung (Ösen) wird ein Fund aus Southamp-ton bezeichnet, der aus dem späten 13. Jahrhundert stammt (Platt u. a. 1975, S. 296; Abb. 263.2164). Sonstige Taschen und Beutel: Aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts wurde ein länglich-rechteckiges Lederstück mit fragmentarisch erhaltenen rechteckigen Ansätzen an beiden Schmalseiten geborgen (Abb. 40. 1). Dabei handelt es sich vermutlich um eine etwa 18 x 21 cm große Tasche, die mittels breiterer Schlaufen am Gürtel befestigt getragen wurde. Entsprechende Hinweise vermitteln jüngere Fundstücke aus Braunschweig (Rötung 1985, S. 81; Abb. 43. 2), Leiden (van Driel-Murray 1984, Abb. 4) und Stockholm (Dahlbäck 1983, S. 237; Abb. 208), aber auch bildliche Darstellungen jener Zeit (z. B. Dahlbäck 1983, Abb. 205; Kat. Regensburg 1987, Taf. 63; Loschek 1988, Abb. 284). Eine 17,5 x 19 cm messende Tasche mit Uberschlag kam in einer Schicht des 13. Jahrhunderts zutage (Abb. 41.1). Das Exemplar wurde aus einem L-förmig geschnittenen Lederstück gefertigt. Hinweise auf Trageriemen ergaben sich nicht. Aus einer Schicht des 14. Jahrhunderts stammt ein sekundär abgeschnittenes Lederstück (Abb. 40.2), das sich ebenfalls als Überschlagtasche nach dem Schema der oben beschriebenen Futteraltäschchen rekonstruieren läßt. Aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts kommt ein verziertes kreisförmiges Kalbslederstück (Dm. 14 cm) mit umlaufender Stürznaht (Abb, 41.2). Dekor und Ösenauf-teilung untergliedern die Kreisfläche in zwei Hälften. Bei der Verzierung handelt es sich um eine Schnittdekoration: In die Innenfläche eines Spitzbogens ist ein Herz mit Palmette und seitlich abzweigenden sichelförmigen Ranken eingefügt. Dieses, der Abb. 40 Schleswig (Schild), Sonstige Taschen und Beutel (1 Nr. 1529; 2 Nr. 12834). M. 1:; gotischen Architektur verwandte Motiv fügt sich harmonisch in die Halbkreisfläche ein. Die dem Muster gegenüberliegende Kreishälfte zeigt eine Gruppe von zwei tropfenförmigen Ösenpaaren am äußeren Rand, ein weiteres tropfenförmiges Ösenpaar liegt im Zentrum des Lederstückes. An zwei Stellen im Randbereich, einander gegenüberliegend, fallen größere Beschädigungen auf. Beide Schadstellen lassen Einstiche von Reparaturen erkennen, in einem Fall befinden sich unmittelbar daneben drei Ösen mit einem Lederbändchen. Das Bändchen ist mit Hilfe einer durch sich selbst geführten Schlinge in einem Ösenpaar festgelegt. 66 67 Abb. 41 Schleswig (Schild). Sonstige Taschen und Beutel (1 Nr. 1485; 2 Nr. 13867). M. 1:3 Insgesamt ist der Narben auf der verzierten Kreishälfte stärker abgenutzt als auf der Ösenhälfte. Allerdings läßt sich nicht mehr feststellen, ob das Stück in der Mitte gefaltet war. Aufgrund der umlaufenden Stürznaht kann angenommen werden, daß es mit einem entsprechend runden Gegenstück vernäht oder in eine größere Fläche eingesetzt war. Vergleichsfunde aus jüngeren Fundzusammenhängen werden als Taschen gedeutet. Daher liegt eine entsprechende Funktion für das Schleswiger Stück nahe. Bei den geringfügig größeren Parallelen handelt es sich um mehr oder weniger halbrunde, mit Prägedekor verzierte Lederstücke aus Frankfurt/Oder (15. Jh.; Huth 1975, S. 59; Taf. 129.4,5), Magdeburg (14./15. Jh.; Nickel 1980, S. 47; Abb. 25.b~d) und Svendborg (15. Jh.; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 103; Abb. 8.1.1). Aus einer Schicht des 14. Jahrhunderts stammen sieben Rindslederteile, die sich zu einem nicht ganz vollständigen trichterförmigen Gegenstand mit einer Länge von etwa 45 cm und einer rekonstruierten Breite von maximal 40 cm zusammensetzen lassen (Abb 42; 43). Das Objekt besteht aus zwei Lederlagen, die durch Ziersteppereien (Abschlußnaht) miteinander vernäht waren. Die in einer länglichen Spitze auslaufende untere Ecke ist beidseitig angesetzt. Die im oberen Bereich erkennbaren Einstiche einer Uberwendlichnaht auf Vorder- und Rückseite korrespondieren miteinander. Es läßt sich Abb. 42 Schleswig (Schild). Sonstige Taschen und Beutel (Nr. 1532). M. 1:3 68 69 jedoch nicht eindeutig klären, ob der Gegenstand an dieser Stelle endete oder ob ein Ansatz angefügt war. Ein mit einer Stoßnaht (Uberwendlichstich) geschlossener 3 cm langer Einschnitt (oder Einriß?) schließt rechtwinklig an einer Nahtkante an. Unterhalb der oberen Abschlußkante befinden sich - beidseitig miteinander korrespondierend -je vier Ösenlöcher, die durch Bandzug verformt sind. An der Rißkante sind auf Vorder- Abb. 43 Schleswig (Schild). Sonstige Taschen und Beutel (Nr, 1532). M. 1:3 und Rückseite die Reste einer weiteren Naht (Uberwendlichstich?) zu erkennen. Die an beiden Langkanten in doppelter Reihe angebrachten linearen Ziersteppereien sind durch Herz und Voluten ergänzt, in der unteren Spitze treffen sie sich in einer Palmette. Reste einer etwa 3 cm breiten Kanteneinfassung blieben ebenfalls erhalten. Hinsichtlich der Gestaltung der Öffnung liegen keine eindeutigen Anhaltspunkte vor. Ein sehr ähnliches, maximal 38 cm breites Lederstück stammt aus Novgorod und wird dort als Tasche gedeutet (14./15. Jh.; Izjumova 1959, S. 220; Abb. 12.2). Im Gegensatz zu dem Schleswiger Exemplar ist die gesamte Fläche des Novgoroder Stückes mit flora-len Motiven bestickt, wobei die Randbereiche ausgespart blieben. Dagegen erwägt W. Groenman-van Waateringe an vergleichbaren Lederstücken aus Svendborg eine Funktion als Sattelbezug (Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 109; Abb. 11.1,2). So bleibt vorerst ungeklärt, ob weitere, dem oben beschriebenen trichterförmigen Objekt an die Seite zu stellende Stücke (Rindsleder) aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts (Abb. 44) auf einen zweiten trichterförmigen Beutel oder womöglich auf den ledernen Uberzug eines Sattels zurückgehen. Die aus slawisch besiedeltem Gebiet überlieferten Lederfunde zeichnen sich oftmals durch üppige Stickereien aus; darauf wurde bereits bei der Bearbeitung der Schuhfunde hingewiesen (vgl. Schnack 1992, Kap. 5). In dem vorliegenden Fall zeigt sich gerade im Hinblick auf den Parallelfund aus Novgorod einmal mehr die Verbindung zu östlichen Handwerkstraditionen, wobei offen bleibt, ob das Schleswiger Stück aus einer hiesigen Werkstatt stammt oder importiert wurde. Trageweise/Funktion: Daß Beutel und Taschen am Gürtel getragen wurden, ist mehrfach belegt (Schönbäck u. a. 1981, S. 186 ff.; Dahlbäck 1983, S. 235; Loschek 1988, S. 126; 211; 218; 449). Die an einigen der rechteckigen Beutel beobachteten, auf Fleischoder Narbenseite vertikal verlaufenden halben Lederstiche lassen vermuten, daß zusätzlich angeheftete Riemen zur Bindung an den Gürtel benutzt wurden (Abb. 36; 37). Daß der Durchzugsriemen des Beutels gleichzeitig zur Aufhängung am Gürtel diente, geht aus Bildquellen - unter anderem aus dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. - hervor, wo der Beutel mittels Umkehrschlaufe am Gürtel getragen wurde (Abb. 48). G. Arwidsson (1977, S. 79 f.; Taf. 27) rekonstruiert anhand der Gräberfunde von Valsgärde eine Aufhängung mit Hilfe eines Knebels, der entweder durch eine Ose im Gürtel oder durch einen an ihm befestigten Ring gesteckt werden konnte (Abb. 45). W. Groenman-van Waateringe (1988 a, S. 121; Abb. 12.4.1) schlägt eine aus mehreren Beuteln kombinierte Trageweise vor, wie sie beispielsweise auch vom Beutler in der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung gefertigt wurden (Wagner 1980, Abb. 7), wobei kleinere Beutel an einem größeren hängen. Ebenso ist eine Kombination von größerem Beutel mit kleinerer, eingenähter Seiten- oder Innentasche nicht auszuschließen (vgl. Nickel 1980, S. 47). Eine dem 12. Jahrhundert zugewiesene Tasche aus Dublin war mit einer Seitentasche ausgestattet (Kat. Dublin 1982, S. 43; Kat.-Nr. 190). In Schleswig gibt es - abgesehen von einem Futteraltäschchen (Abb. 39. 6), das eventuell als ein solches Innentäschchen zu deuten ist - keine eindeutigen Hinweise auf eine kombinierte Trageweise. Doch ist zu vermuten, daß kleine Futteraltäschchen und vielleicht auch der eine oder andere kleine Beutel in einem größeren oder einer Tasche verwahrt wurde. 70 71 Abb. 45 Rekonstruktion der Aufhängetechnik eines Beutels (nach Arwidsson 1977, Taf. 27). Nach G. Dahlbäck (1983, S. 236) nahmen größere Beutel persönliche Wertsachen, Spielsteine, Feuerzeug oder Gewürze auf, während kleinere Exemplare vermutlich als Geldbörse dienten. Demgegenüber ist aus den Darlegungen von J. Kazmierczyk (1970, S. 251) und K, Romanow (1979, S. 193) zu folgern, daß Taschen (poln. sakiewski), die unseren rechteckigen Beuteln gleichen, als Geldbeutel dienten, während in kleineren Taschen oder Beuteln (poln. woreczki) kostbare Steine, Perlen, Amulette und andere Kleinigkeiten verwahrt wurden. Eine Differenzierung nach Tasche, Geldtasche, Beutel und Almosentasche nimmt I. Loschek (1988, S. 109; 126; 211; 448) vor. Letztere, eine trapezförmige flache Tasche, soll „an den unteren Ecken Troddeln oder Bommeln und oben einen Uberhang (Klappe) als Verschluß" gehabt haben. Kleine Reste von Anhängseln, die möglicherweise als Troddeln oder Bommeln interpretierbar wären, sind in Schleswig ausschließlich für größere rechteckige Beutel belegt. Um diese jedoch als Almosentasche bezeichnen zu können, müßten sie nach I. Loschek (1988, S. 108) gleichzeitig flach und mit einem Uberschlag versehen sein. Die Almosentasche wurde von Mann und Frau getragen (Loschek 1988, S. 109; 126). Neben Geldstücken für Almosen wurden darin unter anderem Arzneien, Schlüssel und Schmuck aufgehoben (Loschek 1988, S. 109). Auf bildlichen Darstellungen sind es meistens Männer, die eine Tasche am Gürtel tragen. In diesem Zusammenhang sei auf das wikingerzeitliche Gräberfeld von Birka hingewiesen, wo Taschen ausschließlich aus Männergräbern stammen (Sörlixig 1939, S. 57). 72 73 Lederarten: Die Analyse der bestimmbaren Lederarten ergab, daß der überwiegende Teil (56,7 %) der Beutel und Taschen aus Ziegen- oder Schafleder angefertigt wurde, der Anteil an Bovinaeleder ist demgegenüber klein (15,0 %; Abb. 17). Zusammenfassung: Beutel und Taschen (n = 62) kommen erst seit dem 12. Jahrhundert in dem Fundmaterial von Schleswig (Schild) vor. Aufgrund von Größe und Schnittmuster werden drei Formen unterschieden. Den definierten Formen nicht zuweisbare Stücke werden „sonstigen Taschen und Beuteln" zugeordnet. Rechteckige Beutel mit einer durchschnittlichen Größe von 18,6 x 13,5 cm beziehungsweise 14,5 x 17,8 cm sind vom 12. Jahrhundert an und insgesamt am häufigsten vertreten. Diese Form ist im wikingerzeitlichen Haithabu bereits vorhanden. Als typischer Beutelriemen ist das Doppelband anzusehen. Kleine Bändchen in der unteren Faltkante werden als Fransenreste gedeutet. Die Seitennähte wurden häufiger durch parallel verlaufende einfache Ziersteppereien ergänzt. Die Öffnungskante war hin und wieder eingefaßt. Kleine runde Beutel sind erst aus Schichten des 13. Jahrhunderts belegt, obgleich auch diese Form bereits in Haithabu bekannt war. Ihr mittlerer Durchmesser beträgt 15 cm. Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammen mehrere sogenannte Futteraltäschchen mit oder ohne Uberschlag. Ihre durchschnittliche Größe ist mit 6,8 x 8,4 cm anzugeben. Hierzu zählen ein Nähfutteral und vermutlich eine Innentasche. Unter „sonstigen Taschen und Beuteln" werden neben zwei Uberschlagtaschen und einer Gürteltasche auch zwei nach Form und Verzierung singulare, in ihrer Funktion nicht eindeutig als Tasche/Beutel belegte Stücke vorgestellt. Beutel und Taschen sind zum überwiegenden Teil aus Caprinaeleder gefertigt worden. Die Trageweise der Schleswiger Exemplare dürfte mit jener der angeführten Vergleichsbeispiele übereinstimmen, bezüglich der Funktion lassen sich die einbezogenen Deutungsversuche nicht schlüssig übertragen. Beutel und Taschen sind in Schleswig (Schild) frühestens aus Schichten des 12. Jahrhunderts überliefert, während sie in Haithabu, dem zeitlichen Vorläufer Schleswigs, bereits vorhanden waren. Das Fehlen dieser Fundgruppe in den Schichten des 11. Jahrhunderts läßt sich nur mit mangelnder Fundüberlieferung erklären. 3.4 Fäustlinge Aus dem jüngeren Schichtenpaket der Ausgrabung Schleswig (Schild) wurden Teile von insgesamt drei Fäustlingen geborgen (einmal Kalbs- oder Rindsleder, einmal Rindsleder, einmal Lederart unbestimmt). Zwei Exemplare waren jeweils aus einem größeren längsgefalteten Lederstück gefertigt, das nur durch den Däumling und kleinere Ansätze ergänzt werden mußte (Abb. 46), Dabei folgte der Zuschnitt der äußeren Formgebung einer Hand. Ein dritter Fäustling wurde aus mehreren, auf Deckung zugeschnittenen Teilen zusammengesetzt (Abb. 47.1). Das Vernähen erfolgte in allen Fällen linksseitig mit einer Stürznaht (Abb. 46) oder einer Stoßnaht (Abb. 47.1), so daß - auf rechts gewendet - der wasserabstoßende Narben außen lag. Abb. 46 Schleswig (Schild). Fäustlinge (1 Nr. 1467; 2 Nr. 1481/1902). M. 1:3 74 Abb. 47 Schleswig (Schild). 1 Fäustling (Nr. 10860); 2 Däumling (Nr. 1469); 3-4 Fingerlinge (?) (3 Nr. 1509; 4 Nr. 1541). M. 1:3 Die Einarbeitung des Däumlings in den Handschuh variiert in allen drei Beispielen. Fertigungstechnisch ist es am einfachsten, den Däumling in den Verlauf der Seitennaht einzufügen, wie es wohl an einem Schleswiger Stück der Fall war (Abb. 46.2). Bei den beiden anderen Schleswiger Fäustlingen setzte man die Däumlinge mit Hilfe eines U-förmig beziehungsweise dreieckig eingeschnittenen Zwickels in die Handfläche ein (Abb. 46.1; 47.1); dabei dürfte die Form des Däumlings der eines Halbkreises entsprochen haben. Ähnliche Anfertigungsweisen zeigen jüngere Fäustlinge aus Hull (erste Hälfte 16. Jh.; Armstrong 1977, S. 59; Abb. 25.38), Oslo (17. Jh.; Schia 1981, Abb. 14. R6367,R7886) sowie einige gut erhaltene Exemplare aus Frankfurt/Oder (Huth 1975, S. 59; Taf. 132.1 -3). Auf Reparaturen zurückgehende Einstiche waren an zwei Schleswiger Stücken festzustellen (Abb. 46.1; 47,1), Diese beiden Fäustlinge dürften linkshändig, der dritte vermutlich rechtshändig getragen worden sein (Abb. 46,2). Der Einschlupf eines Fäustlings ist mit einem breiten Band in Durchbruchsarbeit verziert (Abb. 46.2). Das Dekor setzt sich aus gereihten Dreiecks- und Achtpaßelementen zusammen, letzteres umrahmt auch den Daumenansatz. Halbe Lederstiche begleiten das Dekor auf der Fleischseite. Sie lassen den Schluß zu, daß das Muster in farblichem Kontrast zu dem Leder unterlegt war. Nach A. Andersen (1953, S. 14 f.) und G. Dahlbäck (1983, S. 233) sind Fäustlinge der Arbeitskleidung zuzuordnen, eine Vermutung, die E. W. Huth (1975, S. 59) durch seine Anmerkung stützt, altes Stiefeloberleder sei zur Herstellung von Fäustlingen verwendet Abb. 48 Darstellung verzierter Handschuhe in dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. (nach Willemsen 1969, fol. S9v). 76 77 worden. Diese Interpretation erscheint allerdings hinsichtlich der Funktion des verzierten Schleswiger Fäustlings wenig zufriedenstellend. Dieses Exemplar dürfte weniger zum Schutz bei schmutzigen und groben Arbeiten gedient haben, sondern vielmehr als Teil einer besonderen Standeskleidung anzusehen sein. Handschuhe dieser Machart gehörten beispielsweise zur jagdlichen Ausrüstung des Falkners, wie eine Illustration in dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. zeigt (Abb. 48): Die den Falken tragende Hand wird durch einen Handschuh geschützt, der am Einschlupf mit breiten Dekorbändern verziert ist. Unter den unzähligen Einzelstücken kann lediglich ein Lederstück recht sicher als Däumling gedeutet werden (Abb. 47.2). Ob es sich bei zwei weiteren Teilen um Fingerlinge von Handschuhen handelt, bleibt fraglich (Abb. 47.3,4). Handschuhe wurden vom Taschen- und Beutelmacher hergestellt (vgl. Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 123). Ob dies auch für Fäustlinge gilt, bleibt offen. In diesem Zusammenhang sei auf eine Vorschrift für Schleswiger Beutelmacher aus dem fahre 1550 hingewiesen, der zumindest Anhaltspunkte zur Anfertigung von Stulpenhandschuhen zu entnehmen sind (Schütz 1966, S. 33). Die in Schleswig (Schild) geborgenen Fäustlinge und der Däumling stammen aus Schichten der jüngeren Siedlungsphase, das heißt aus dem 13./14. Jahrhundert. Zahlreiche Vergleichsfunde sind aus Stockholm belegt, die dort entdeckten annähernd 30 Handschuhe datieren in die Zeit zwischen 1300 und 1500 (Dahlbäck 1983, S. 233; Abb. 201; 202). Nachweise gibt es weiterhin aus dem mittelalterlichen Fundmaterial von Breslau (Kazmierczyk 1970, Abb. 71. a-c; Samsonowicz 1982, Abb. 25.a-c), Pleskau (Ojateva 1962, Abb. 10.1), Alt Ladoga (Ojateva 1965, S. 50; Abb. 3.1), Novgorod (Izjumova 1959, Abb. 12), Lübeck (Vons-Comis 1982, S. 244; Abb. 86.693e; Tab. S. 249) und Svend-borg (Andersen 1953, Abb. 10; Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 109 ff.; Abb. 11.3,4). 3.5 Schleudertaschen Aus Schichten des 12.-14. Jahrhunderts stammen vier oval geformte Lederstücke, bei denen es sich um Schleudertaschen handelt, die in der Länge zwischen 16 und 22,5 cm, in der Breite zwischen 5 und 12,5 cm variieren (Abb. 49.1 -4). Ihre Anfertigung erforderte keine speziellen Kenntnisse, sie ließen sich schnell und von jedermann herstellen. Die beiden aus dem älteren Fundhorizont stammenden Stücke sind in der breiteren Mittelfläche regelmäßig versetzt geschlitzt (Abb, 49.1,2). Demgegenüber zeigt die relativ große, in das 13, Jahrhundert datierte Schleudertasche lediglich diverse Einrisse (Abb. 49.3). Das jüngste Exemplar hat in der Mitte ein 1,5 cm großes Loch (Abb. 49.4). An den Enden gelocht waren drei der Funde (Ausnahme: Abb. 49.2). Die Lederartenbestimmung ergab einmal Kalbs- oder Rindsleder, zweimal Rindsleder, einmal Ziegenleder. Bezüglich der Funktion gibt es in der Literatur die unterschiedlichsten Deutungen: So wird ein Fund aus dem wikingerzeitlichen York als Dolch- oder Taschenaufhängung 78 Abb. 49 Schleudertascherl. 1-4 Schleswig (Schild) (1 Nr. 1537; 2 Nr. 13832; 3 Nr. 1500; 4 Nr. 3665); 5 Vergleichsfund aus Oslo (nach E. Schia, vgl. Anm. 15). M, 1:3 am Gürtel bezeichnet (Richardsen 1961, S. 85; Abb. 19.24), ein anderer aus dem frühneuzeitlichen Southampton als Schuhlasche (Platt u. a. 1975, S. 302; Abb. 264,2171), ein Stück aus dem wikingerzeitlichen Elisenhof als Teil eines Riemens (Grenander-Nyberg 1985, S. 244; Taf. 67.1) und ein Fund aus Gloucester als „hair-slide" (Haarspange; Goudge 1979, S. 195; Abb. 14.1). Letztgenannte Interpretation vertritt auch F. Grew (pers. Mitt.) für ein dem späten 12. Jahrhundert zugewiesenes Exemplar aus London. Ohne funktionale Zuweisung bleiben demgegenüber ein Fund aus Dublin (Kat. Dublin 1982, S. 43; Kat.-Nr. 188), je einer aus York (Tweddle 1986, S. 266; Abb. 177.885), Hull (Jackson 1979, S. 56; Abb. 24.52), Neu-Nieköhr (Schuldt 1967, S. 37; Taf. 18. s) sowie ein Exemplar aus Oslo, das zwischen 1150 und 1250 datiert wird (Abb. 49.5)15. Während W. Groenman-van Waateringe für entsprechende Funde aus Haithabu, sogenannte tonnenförmige Stücke, noch einen Zusammenhang mit Schuhwerk erwägt, interpretiert sie später Beispiele aus Svendborg eindeutig als Schleudertaschen (Groenman-van Waateringe 1984; 1988 a, S. 121 f.; Abb. 9.1.1). Daß letztere Interpretation zutreffend ist, wird nicht nur durch die Form der Lederstücke wahrscheinlich, die einen mehr oder weniger kugeligen Gegenstand beuteiförmig umschließen konnten, sondern auch durch eine Bildszene auf dem Teppich von Bayeux. Bereits E. Kristensen (1983, S. 10) hatte im Zusammenhang mit einem Schleudertaschenfund des 14. Jahrhunderts aus Randers auf den Bildteppich aufmerksam gemacht: Der untere Fries zeigt unter anderem eine Feldbestellung, bei der eine Person damit beschäftigt ist, Steine gegen eine saaträubernde Vogelschar zu schleudern (Abb. 50). Die Form der auf dem Teppich 79 i Abb. 50 Darstellung einer Schleuderszene auf dem Bildteppich von Bayeux (nach Wilson 1935, Taf. 11). aufgestickten Schleudertasche entspricht den aus Schleswig (Schild) überlieferten ovalen Lederstücken, wenn man sich diese in Seitenansicht und als schalenförmige Hohlkörper vorstellt. Das Handhabungsprinzip derartiger Schleudertaschen ist simpel: Mittels zweier an den Enden befestigter Riemen werden sie kräftig in Schwing versetzt, der Schleuderer gibt plötzlich einen der Riemen frei, wodurch das Wurfobjekt hinausgeschleudert wird16. Bezüglich des in das 13. Jahrhundert datierten, relativ großen Schleswiger Exemplares (Abb, 49.3) ist zu fragen, ob hiermit vielleicht eine größere Menge Kiesel gleichzeitig geschleudert wurde, um so - ähnlich einem Schrotgeschoß - eine gefächerte und damit gegenüber einem Einzelgeschoß ungleich höhere Treffsicherheit zu garantieren. 3.6 Runde Scheiben Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts wurden zehn kleine, mehr oder weniger runde Scheiben geborgen. Sieben Exemplare sind durch ein Loch (sog. Lochscheiben; Abb, 51, 1,2), zwei durch je ein Ösenpaar (sog. Ösenscheiben; Abb. 51. 4,5) und eine durch einen sternförmigen Ausschnitt in der Scheibenmitte gekennzeichnet (Abb. 51. 3). Zwei der Lochscheiben waren durch Faltung gedoppelt (Abb, 51.1), wobei Nahtreste oder im Randbereich eingeschnittene Ösen (Abb. 51.2) als Hinweise auf sekundär verwendetes Leder zu verstehen sind. Der Durchmesser der Ösenscheiben beträgt 4 und 3,9 cm, der der Sternscheibe 5,3 cm, der der einfachen Lochscheiben 4,5-9 cm. Hinweise auf Befestigungstechniken lassen lediglich die erhaltenen Abdrücke auf den beiden Ösenscheiben erkennen. Danach wurden sie mittels eines durchgezogenen Riemens auf einer Unterlage fixiert (Abb. 51.4,5). Entsprechende Ösenscheiben aus Beverley zeigten zusätzlich Nahtstiche; die Stücke werden daher als Verstärkung eines Ösenver-schlusses bezeichnet (Atkinson und Foreman 1992). Die Lederartenbestimmung ergab dreimal Kalbsleder, zweimal Kalbs- oder Rindsleder, dreimal Rindsleder, einmal Ziegenleder, einmal war die Lederart nicht mehr zu bestimmen. Abb. 51 Schleswig (Schild). 1 -5 Runde Scheiben (1 Nr. 5378; 2 Nr. 6515; 3 Nr. 9669; 4 Nr. 6514; 5 Nr 12833)-6-7 Ösenlaschen (6 Nr. 1498; 7 Nr. 1530). M. 1:3 Lochscheiben ungeklärter Funktion gibt es aus Haithabu (Groenman-van Waateringe 1984, S. 41; Taf. 29.2), Svendborg (Groenman-van Waateringe 1988 a, S. 106; Abb. 9.1,3 -4), Hull (Armstrong 1977, S. 59; Abb. 25.45) und Beverley (Atkinson und Foreman 1992). Demgegenüber wird eine 3,2 cm messende Lochscheibe aus Exeter als Knopf gedeutet (Friendship-Taylor 1984, S. 327; Abb. 184.20). Die Verwendung als Griffeinlage an einem Rapiergefäß erscheint für ein Stück aus Oslo möglich (Schia 1981, S. 228; Abb. 14. R7278, R11939). Als Dichtungsring oder gelochte Scheibe wird ein Exemplar aus York bezeichnet („washer or perforated disc"; MacGregor 1982, S. 162; Abb. 73.552). Den von E. Schia (1981, S. 228) und A. MacGregor (1982, S. 162) erarbeiteten Vorschlägen folgend, sind die aus Schleswig (Schild) überlieferten Lochscheiben generell als Puffer oder Dichtungsringe zu verstehen. Hinsichtlich der Funktion der akkurat geschnittenen kreisrunden Scheibe mit sternförmigem Ausschnitt ergeben sich keine Anhaltspunkte (Abb. 51.3). 3,7 Ösenlaschen Aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts stammen insgesamt elf sogenannte Ösenlaschen, deren Form etwa einem abgerundeten Dreieck entspricht (z. B. Abb. 51. 6,7). Die kleinste Lasche mißt 7x5 cm, die größte 16,5x7cm, das durchschnittliche Maß beträgt 11,8 x 5,4 cm. Nahtreste (Überwendlichstich) belegen, daß die Kanten eingefaßt waren, während man die Basiskante (Stoß- oder Stürznahtreste) offensichtlich angesetzt hatte. Die in der Flächenmitte liegenden, mit einer Länge um 6 cm relativ großen Ösen 80 81 T waren ursprünglich eingefaßt, wobei halbe Lederstiche auf der Fleischseite die Endbefestigung einer streifenförmigen Einfassung dokumentieren können (Abb. 51.7). Darüber hinaus kommen auch ungesäumte Ösen vor (Abb. 51. 6). Die Lederartenbestimmung ergab einmal Kalbsleder, einmal Kalbs- oder Rindsleder, sechsmal Rindsleder, einmal Ziegenleder, einmal Ziegen- oder Schafleder, einmal war die Lederart nicht mehr zu bestimmen. Eine funktionale Einordnung der beschriebenen Ösenlaschen ist derzeit nicht möglich. Ihre Interpretation als Bestandteil des Schuhwerks, und zwar im Zusammenhang mit den für Schleswig vereinzelt belegten Knöpfschuhen, war nicht nachvollziehbar (vgl. Schnack 1992, Kap. 4.3.12; Taf. 93.1,2). 3.8 Kordeln und Fransenbänder In Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts kamen drei Kordelfragmente und fünf Fransenbänder zutage (Abb. 52). Die Kordeln bestehen jeweils aus zwei miteinander verdrehten Bändern (Abb. 52.1 -3). Ihre Breite variiert zwischen 0,7 und 0,8 cm, Zwei der Fransenbänder sind jeweils durch eine kleine Klammer charakterisiert. In dem einen Fall hat diese - ein durch sich selbst geführtes Lederbändchen - die Funktion, das der Länge nach umgeschlagene Band im Knick zu fixieren (Abb. 52.4). In dem anderen Fall umschließt eine kleine Metallklammer das einfache Fransenband (Abb. 52.5). Ein ganz ähnliches Fransenband ist aus Söderköping überliefert und wird als Bommel mit dem Schuhwerk in Verbindung gebracht (Broberg und Hasselmo 1981, S. 101; Abb. 76.2). Zwei Vergleichsstücke aus Stettin (Cnotliwy 1980, Abb. 12.17.5,6) werden ebenfalls im Zusammenhang mit Schuhwerk gesehen. An dem Oberleder der Schleswiger Schuhe gibt es allerdings keine Belege für derartiges Beiwerk (vgl Schnack 1992, Kap. 4.2.2.3). Abb. 52 Schleswig (Schild). 1 -3 Kordeln (1 Nr. 1866; 2 Nr. 11533; 3 Nr. 4910); 4-6 Fransenbänder (4 Nr. 816; 5 Nr. 1551; 6 Nr. 6073). M. 1:3 Ein Exemplar ist durch sieben außergewöhnlich kunstvoll in gedrehten Schlingen und Schlaufen verflochtene Bändchen gekennzeichnet (Abb. 52. 6). Das Flechtwerk ist flächig gestaltet. Eine Fransenbommel mit kugeligem Kopf kann aus dem mittelalterlichen London angeführt werden (Jones 1975, S. 166; Abb. 31.154). Die Lederartenbestimmung ergab einmal Kalbsleder, einmal Rindsleder, viermal Ziegenleder, einmal Schafleder, einmal war die Lederart nicht mehr zu bestimmen. Allgemein dürften Kordeln und Fransenbänder als schmückendes Beiwerk Verwendung gefunden haben. 3.9 Ball Aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts stammt ein kleiner Lederball (Abb. 53). Er besteht aus zwei kleinen runden Scheiben aus Kalbsleder, die - mit der Narbenseite nach außen aufeinandergelegt - am Rand überwendlich vernäht wurden. Der dazwischenliegende Hohlraum wurde sehr fest mit feinem Menschen- oder Tierhaar zur Kugel gestopft17. Es ist anzunehmen, daß die beiden Teile des Balles so zusammengenäht wurden, daß eine kleine Lücke in der Naht verblieb, durch die die Füllung hineingestopft werden konnte. Hatte der Ball die richtige Festigkeit erreicht, wurde die Nahtlücke geschlossen18. Der Durchmesser des Schleswiger Balles beträgt 3-4 cm19. Im Mittelalter gehörten Ballspiele zum Alltagsleben, und zwar bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aller Gesellschaftsschichten (Endrei 1988, S. 111). In Deutschland dürften Ballspiele bereits vor dem 12. Jahrhundert zu den gesellschaftlichen Aktivitäten gehört haben (Ranke 1976, S. II)20. Nach S. A. Izjumova (1959, S. 216) wurde mit kleinen Bällen Schlagball gespielt; ein im mittelalterlichen Nordeuropa wohl sehr beliebtes Spiel, wie Nachrichten aus England und Island nahelegen (Ranke 1976, S. 12), das in Varianten, ähnlich dem heutigen Hockey, Kricket und Golf oder dem mittelalterlichen Ringball, ausgeübt wurde (Endrei 1988, S. 124 ff.; Abb. 97; 98; Taf. 36). Der außerordentlich fest gestopfte Schleswiger Ball könnte durchaus in dieser Art und Weise Abb. 53 Schleswig (Schild). Ball (Nr. 13783). M 1:1 82 83 verwendet worden sein, denkbar wäre aber ebensogut sein Einsatz beim Fang- oder Dreibalispiel (Endrei 1988, S. 113) oder beim artistischen Jonglieren (Ranke 1976, S. 12; Abb. 3). Parallelen zu dem Schleswiger Ball sind aus Novgorod (Izjumova 1959, S. 216; Abb. 9), Bergen (Herteig 1969, Abb. 56) und Pleskau (Ojateva 1962, S. 94) anzuführen. 3.10 Varia Das mit den Schleswiger Lederfunden überlieferte Spektrum unterschiedlicher Verzierungen kann durch einzelne Stücke aus der Vielzahl funktional nicht zuweisbarer Fragmente ergänzt werden. Die Fragmente stammen überwiegend aus Schichten des 13. und 14. Jahrhunderts. Die Technik der Durchbruchsarbeit mit geometrisch-floralen Motiven ist insgesamt am häufigsten vertreten (Abb. 54.1 ~ 6,8,10 -12,14,15). Dabei fällt ein kleines, sekundäres Schnittfragment aus einer Schicht des 12. Jahrhunderts durch ein außergewöhnlich zierliches und kunstvoll durchbrochen gearbeitetes Gittermuster auf, das den Einstichen zufolge auf der Narbenseite von Stickereien begleitet und vielleicht von der Fleischseite her unterlegt war (Abb, 54, 7). An einem riemenartigen Fragment mit einander versetzt gegenüberstehenden Dreiecken, die in dichter Folge akkurat die Mittelachse schmücken, ist der Narben an den Längskanten kaum abgenutzt. Die Einstiche lassen vermuten, daß diese eingefaßt waren, so wie es auf der Rekonstruktion nachvollzogen wurde (Abb. 54.9). Ein dem Kerbschnittstil verwandtes Prägemuster begegnet in professioneller Ausführung auf zwei Schnittfragmenten aus Schichten des 14. Jahrhunderts (Abb. 55.4,5). Ferner eindrucksvoll sind Muster aus dicht in den Narben gesetzten winzigen Kreisstempeleindrücken (Dm. 1 mm), die mit dekorativ ausgesparten Flächen in Form von Blatt- und Rankenwerk oder linearen Motiven kontrastieren (Abb. 55.2,3), wobei das Dekor durch eingetiefte Relieflinien (auf der Abbildung nicht erkennbar) an Plastizität gewinnen kann (Abb. 55.1). Da es sich bei diesen Stücken, die ebenfalls aus Schichten des 14. Jahrhunderts stammen, offensichtlich um großflächiger angelegte Musterkompositionen handelte, ist ein Zusammenhang mit Mobiliar oder ähnlichem nicht auszuschließen, etwa in der Funktion eines dekorativen Lederüberzugs einer hölzernen Schatulle (vgl, Gall 1965, S, 29). Die vergleichsweise ungenaue Schnittführung, die bei zwei durch Voluten gekennzeichneten Lederstückchen begegnet, spricht eher für einen „verspielten" Umgang mit dem Rohstoff Leder (Abb. 56,1,2), wobei ein um eine Volute geschlungenes Bändchen diese Annahme unterstützen mag (Abb. 56.1). Die Schnittführung an einem in Form einer Palmette erhaltenen Negativ (Abb. 56.4) sowie an einem Quadrat (9,5 x 9,5 cm2) mit gezackten Kanten und zwei rechteckigen Ausschnitten in der Fläche (Abb. 56.3) wirkt dagegen routinierter. Alle Stücke stammen aus Schichten des 13./14. Jahrhunderts. Ein Lederfragment ist durch seine von einem Mittelpunkt strahlenförmig ausgehenden Fortsätze - ursprünglich wohl acht - gekennzeichnet, die mit ihren gezackten Rändern Abb. 54 Schleswig (Schild). Verzierungstechnik der Durchbruchsarbeit (1 Nr. 4749; 2 Nr. 7049; 3 Nr 8978- 4 Nr, 1472/73;5 Nr. 6317; 6Nr.3809; 7Nr. 1527; 8Nr. 5480; 9Nr. 13365; 10Nr. 10651; 11 Nr.3054;'12Nr. 13881; 13 Nr. 4541; 14 Nr. 2364; 15 Nr. 2442), M. 1:3 zur Mitte leicht anschwellen und sich zur Spitze wieder verjüngen und damit pflanzlichen Blättern ähneln (Abb. 57.5). Die Spitzen dieser Blattrosette enden in einer äußeren Rahmenfläche. Das durchbrochen gearbeitete florale Motiv aus Schichten des 13./14. Jahrhunderts war vermutlich Teil einer größeren Dekorationsfläche. In der Regel dürfte die Dekoration nach dem Zuschnitt, jedoch vor dem Vernähen des zu fertigenden Gegenstandes angebracht worden sein (Cowgill u, a. 1987, S. 40; 84 85 Abb. 55 Schleswig (Schild). Verzierungstecbruken. 1-3 Kreisstempel (1 Nr. 12704; 2 Nr. 7750; 3 Nr. 10619); 4-5 Prägemuster (4 Nr. 10670; 5 Nr. 8191). M. 1:3 Grew und de Neergaard 1988, S. 79). Allerdings gibt es auch eindeutige Hinweise dafür, daß die Lederhaut bereits vor dem Zurichten verziert wurde, wie ein Schnittabfall vom Hautrand unter Beweis stellt (Abb. 54.13). Abschließend sollen einige interessante, jedoch funktional nicht eindeutig zuweisbare Stücke angesprochen werden. Ein noch 26,5 x 23,5 cm großes Fragment (Ziegenleder) aus einer Schicht des 11. Jahrhunderts fällt durch zahlreiche, dicht an dicht gesetzte, 0,7-1,5 cm lange Schlitze auf (Abb. 57.1), deren Anordnung der Form eines gleicharmigen Kreuzes folgt. Sowohl 86 W Abb. 57 Schleswig (Schild). 1 Lederfragment mit Schlitzen in Form eines gleicharmigen Kreuzes (Nr, 1531); 2-3 Lederfragmente mit Ausstanzungen (2 Nr. 13538; 3 Nr. 1335 mit Blattgoldspuren); 4 leicht gekrümmtes Lederstück (Nr. 10255); 5 Lederfragment, zu einer Blattrosette rekonstruierbar (Nr. 9811); 6 slipperartiges Objekt (Nr. 8892, Original [obenl, Rekonstruktion [unten]). M. 1:3 i 87 2437^828 der teilweise erhaltene rechtwinklige Kantenverlauf mit Stofinaht (Überwendlichstich) als auch die Anordnung der Schlitze deuten auf ein in seiner Fläche ursprünglich quadratisches Lederstück. Ein in der Länge fragmentarisch erhaltener, 1,7 cm breiter Lederstreifen (Kalbsleder) weist leicht versetzt von der Mittelachse in relativ dichter Folge (0,5-0,9 cm Abstand) gestanzte Löcher mit einem durchschnitthchen Durchmesser von 0,6 cm auf (Abb. 57.2). Einstiche mit parallel zu den Längskanten verlaufenden Fadeneindrücken auf dem Narben lassen darauf schließen, daß der Streifen als Besatz oder auch als Verstärkung gedient haben könnte. Ein ähnliches Stück ist aus dem wikingerzeitlichen Haithabu überliefert. Dort war es in den oberen, umgeschlagenen Rand eines Beutels eingelegt (Groenman-van Waateringe 1984, S. 38; Taf. 24.3). An dem Schleswiger Stück, das aus einer Schicht des 11. Jahrhunderts stammt, sind zusätzlich Reste einer Teer- oder Pechmasse erhalten. Aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts stammt ein zweiter Lederstreifen (17x13cm; Lederart unbestimmt) mit regelmäßig angebrachten länglich-runden Ausstanzungen in der Mittelachse (Abb. 57.3). Kennzeichen dieses Stückes sind drei einseitig angebrachte dreieckige Ausschnitte, vor allem aber winzige Spuren von Blattgold. Dies sowie die an den Längskanten erhaltenen Abdrücke einer Überwendlichnaht sprechen für eine ursprüngliche Funktion als streifenförmiger Zierbesatz. Ein anderes, ebenfalls in der Länge nur fragmentarisch überliefertes, 4,5 cm breites und in sich leicht gekrümmtes Lederstück zeichnet sich durch seine äußerst kräftigfeste Lederqualität (Kalbs- oder Rindsleder) aus (Abb. 57. 4). Es datiert in das 11. Jahrhundert. Die Längskanten waren miteinander vernäht (Abschlußnaht). Der jetzigen Formgebung und der Narbenabnutzung nach zu urteilen, umhüllte dieses stabile Lederstück einen bügelartig gebogenen Rundstab. Von bemerkenswertem Zuschnitt ist ein gut erhaltenes Lederstück (31,5 x 12 cm) mit umlaufenden Stoßnahtkanten aus einer Schicht des 11. Jahrhunderts (Abb. 57.6). Das längliche Lederstück (Ziegenleder) verjüngt sich geringfügig zu einer abgerundeten, mit Abnäher versehenen Schmalseite, unterbrochen durch je einen dreieckigen Ausschnitt an den Längskanten. Ebensolche Ausschnitte sind auch an der breiteren Schmalseite angebracht. Aufgrund der korrespondierenden Stoßnähte in den Ausschnitten läßt sich ein slipperartiges Objekt rekonstruieren (Abb. 57. 6). Die Stoßnaht am Offnungsrand könnte auf eine Einfassung oder auf Ansatzstücke zurückzuführen sein. Sollte es sich tatsächlich um eine Form der Fußbekleidung handeln, liefert - soweit bekannt - nur das irische Schuhwerk des 7. -10. Jahrhunderts Vergleiche (Lucas 1956, S. 371 ff.; Abb. 6). Die irischen Exemplare werden als von einem Laien hergestelltes Schuhwerk interpretiert (Lucas 1956, S. 373). Im Schleswiger Fall sprechen der versierte Zuschnitt sowie die Verwendung unterschiedlicher Nahttechniken für professionelles Handwerk. Aus einer Schicht um 1200 stammen zwei vergleichsweise große, gurtartige Fragmente aus Rindsleder (Abb. 58.1,2). Die beiden sicherlich ursprünglich zusammengehörenden Stücke (41 x 11 cm bzw. 28,5 x 8,5 cm) sind übersät mit unregelmäßig angeordneten Einstichlöchern, wobei auf der Fleischseite vereinzelt Fadeneindrücke wahrnehmbar sind. In dem größeren Exemplar ist der Rest eines Lederbändchens in situ erhalten (Abb. 58.1). Abb. 58 Schleswig (Schild). 1 -2 Gurtartige Lederfragmente (1 Nr. 7693; 2 Nr. 8000); 3 sichelförmig gebogenes Lederstück (Nr. 6499). M. 1:3 Der stark unregelmäßig gestaltete Kantenverlauf eines der Länge nach gefalteten, sichelförmig gebogenen Lederstückes (Schafleder) aus einer Schicht des 13. Jahrhunderts weist zum Teil Einstiche (Uberwendlichstich) auf, ein zipfeliger Fortsatz ist eingeschlitzt (Abb. 58.3). Die gekrümmt verlaufende Faltung war im Abstand von 2-3 cm mit Nieten 88 89